Stehsätze für Golfer und die die es noch werden sollten …

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Als Stehsatz bezeichnen Journalisten jene Artikel oder Beiträge die zwar für eine aktuelle Ausgabe einer Zeitung geschrieben, dann aber aus unterschiedlichen Gründen darin doch nicht veröffentlicht wurden und dann als Stehsatz für eine mögliche Veröffentlichung in einer der kommenden Ausgaben eingeplant werden. Der Artikel kann also „stehen bleiben“ – vielleicht sogar für länger und eventuell kann man ihn auch für mehrere Ausgaben verwenden.

Außerhalb der Zeitungsredaktionen sind Stehsätze umgangssprachlich Aussagen, die man immer wieder platzieren kann, um wiederkehrende Situationen zu kommentieren. Im normalen Leben wäre das zum Beispiel so ein Satz wie: „auf Regen folgt Sonnenschein“ oder „die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln“ oder „Autofahrer mit Hut – tut dem Straßenverkehr nicht gut“.

Im Golf gibt es gefühlt 1.000 solcher Stehsätze und die 6 wichtigsten möchte ich euch heute auflisten und erklären, damit ihr sie jederzeit selbst professionell am Golfplatz einsetzen könnt:

  1. Mit dem Zweiten kanns jeder“ : diesen Satz verwendet man dann, wenn der erste Abschlag in das hohe Gras (Wasser, Wald oder sonstig Unbegehbares) geflogen ist und man einen zweiten Ball nachschlagen musste. Der zweite Schlag fliegt meistens perfekt und liegt in der Mitte des Fairways oder überhaupt gleich am Grün. Problem der erste Ball wird dennoch gewertet – oftmals sogar inkl. Strafschlag!
  2. Der beste Freund vom Birdie ist der Bogey“ : Birdies sind eines der erstrebenswertesten Dinge im Golfsport – weil es um einen Schlag besser ist, als vom Platzarchitekten vorgegeben (das wäre dann Par). Ein durchschnittlich begabter Golfer wie ich hat auf einer Golfrunde vielleicht 3mal eine realistische Chance ein Birdie zu spielen – ansonsten freut er sich über ein Par, begnügt sich mit einem Bogey (ein Schlag schlechter als Par) oder ärgert sich über ein Doppel-Bogey (zwei Schläge schlechter als Par). Birdie-Chancen sind also rar und es wäre ein leichtes, wenn schon kein Birdie zu spielen, zumindest dann ein Par zu schaffen. Scheinbar ist es aber vermaledeit und oftmals spielt man ausgerechnet den Birdie-Putt so schlecht, dass man den darauffolgenden Par-Putt auch noch neben das Loch schiebt und nur ein Bogey fabriziert. Somit wird „das Bogey zum besten Freund des Birdies“.
  3. Gestern …“ : das Wort Gestern ist natürlich kein Satz, aber viele Sätze im Golfsport beginnen mit diesem Wort. Gestern habe ich auf diesem Loch ein Birdie gespielt, Gestern ist mein Ball aus 150 Meter Entfernung 10 cm neben der Fahne gelandet, gestern habe ich 42 Punkte gespielt, gestern habe ich das beste Golf meines Lebens gespielt usw. Mag alles sein, doch heute ist ein neuer Tag und dein Golf kann sich innerhalb von 24 Stunden in eine mittlere Katastrophe verwandeln. Aber es bleibt ja zum Glück der positive Gedanke an das erfolgreiche Gestern!
  4. „Du hast dem Ball zu früh nachgeschaut!“ : Dieser Satz ist der wohl unsinnigste aller Stehsätze auf einer Golfrunde. Gesagt wird er von deinem Mitspieler der dich dabei beobachtet hat wie du einen Ball viel zu kurz gespielt hast. Er will dir damit durch die Blume sagen, dass dein Schlag scheisse war. Weil man aber scheisse am Golfplatz nicht sagt – zumindest nicht zu deinem Mitspieler – sagt man: Du hast dem Ball zu früh nachgeschaut. Bitte nicht glauben, denn man kann während des Golfschwungs einem Ball gar nicht zu früh oder zu spät nachschauen. Oft wäre es zwar besser ich würde ihm gar nicht nachschauen, weil er so schlecht gespielt wurde, aber das ist eine andere Geschichte!
  5. „Gesehen habe ich ihn nicht, aber er hat gut geklungen!“ : Golfspieler beobachten sich gegenseitig beim Spiel. Einerseits um zu kontrollieren, dass das Gegenüber nicht bescheisst. Andererseits auch weil man sich gegenseitig hilft, verzogene Bälle zu finden. Wenn man vergessen hat, den Kollegen (bzw. Kollegin) beim Schlag zu beobachten, dann kann man sich zumindest auf den Klang rausreden. Dies zeugt von hoher Kompetenz, die übrigens nur ganz wenige Golfer haben. Aber man kann ja zumindest mal so tun als ob …
  6. „Den finden wir!“ : Diesen Satz kann man dann einsetzen, wenn der Ball schön gerade geflogen ist und in der Mitte des Fairways liegt. Dann ist dieser Satz eine anerkennende Wortmeldung. Man kann ihn aber auch abwertend verwenden, dann wenn der Ball nur wenige Meter geflogen ist und augenscheinlich du ein ziemlich schlechter Golfer bist!

Ihr seht schon, mit solchen Stehsätzen kann man in der Golfwelt durchaus reüssieren. Stellt euch mal als zufälliger Zuseher neben einen Abschlag, wartet auf einen Golfer und sagt etwas beiläufig, wenn der Ball nicht so gut geflogen ist: „Sie haben dem Ball zu früh nachgesehen!“ Der Golfer wird euch vermutlich zustimmen (und innerlich hassen)! Oder lasst nach dem Abschlag des fremden Golfers mal den Satz fallen: „Gestern hatte ich auf dieser Bahn ein Birdie!“ (er wird euch innerlich noch mehr hassen!) oder vielleicht muss er sogar einen zweiten Ball schlagen, weil der erste so schlecht getroffen wurde. Dann sagt etwas abwertend: „Den finden wir … (kurze Pause) … aber mit dem Zweiten kanns jeder!“ und aus Hass wird Aggression.

Aber wir wollen ja keine Aggressionen am Golfplatz erzeugen, sondern es mit Freude spielen. Daher zum Abschluss eines meiner Lieblingszitate aus der prominenten Golfwelt. Ben Hogan – 9facher Major-Sieger und Begründer des modernen Golfschwungs hat einmal gesagt: „Die perfekte Golfrunde ist noch nie gespielt worden. Es wären 18 Hole-in-ones. Ich habe einmal beinahe eine solche Runde geträumt, aber dann ist mir am 18. Grün der Ball ausgelippt. Mann, war ich wütend!“

Nur ein klein weniger berühmt als Ben Hogan ist mein Freund Jochen „da Voda“ Klose vom GC Dachau, der zusammen mit seiner Jutta bis heute wieder einmal zu Besuch bei uns im Böhmerwald war. Jochen ist der Meister der selbsterfundenen Stehsätze – viele davon haben mit Golf zu tun. Als kleine Reminiszenz ende ich den heutigen BLOG-Beitrag ausnahmsweise anstelle dem traditionellen Wunsch für ein SCHÖNES SPIEL mit dem Jochen-Klose-Gruß

HANDKUSS AN GEWOHNTER STELLE 🙂

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Es fliegt …

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Vor einigen Tagen wurde ich mit einer Quizfrage konfrontiert, die mich zu meinem heutigen Blogeintrag bewogen hat. Die Frage lautete: Welcher von einem Fan geworfene Gegenstand traf den damaligen Bayern-Torwart Oliver Kahn im Bundesliga Spiel gegen den SC Freiburg im Jahr 2000 am Kopf? Die richtige Antwort lautete: ein Golfball!

Noch bevor ich jetzt in den philosophischen Diskurs zu diesem Ereignis eintrete, muss ich ein paar Hintergründe erklären:

Am 12.4.2000 war der FC Bayern zu Gast im Freiburger Waldstadion. Freiburg wurde kurz vor dem Anpfiff noch für vorbildliches Verhalten während der Vorsaison mit dem Fairness-Preis der UEFA ausgezeichnet. Kurz vor Spielende – beim Stand von 1:2 wurde Kahn von einem Gegenstand getroffen der aus Flugrichtung der Freiburg-Fans auf ihn abgeworfen wurde. Der geworfene Golfball verursachte bei Kahn eine Platzwunde und Kahn musste am Spielfeld behandelt werden. Das Bundesligaspiel wurde aber fortgesetzt, die Bayern gewannen 1:2 und wurden in diesem Jahr auch Meister – verloren aber das legendäre Champions League-Finale gegen Manchester United. Offenbar hat es sich ausgezahlt, dass der SC Freiburg eine Belohnung von 1.000 Mark für Täterhinweise ausgesetzt hat. Denn schon 2 Tage später hat man einen 16-jährigen Schüler als Täter ermittelt und festgenommen. Die Strafen blieben durchaus human, denn der Schüler musste seine Saisonkarte abgeben, wurde mit einem 5jährigen Stadionverbot belegt und musste 30 Stunden lang gemeinnützige Arbeit leisten.

In dieser ganzen Angelegenheit kann ich einige Dinge partout nicht ausstehen:

  1. Ich hasse diese im Stadion Dinge-Werfer,
  2. ich empfinde den FC Bayern als die mit Abstand unsympathischste Fußballmannschaft der Welt und
  3. den Oliver Kahn mag ich gleich gar nicht.

Fußball polarisiert, man kann zum Glück viel darüber diskutieren und es gibt 10.000 von FC Bayern-Fans die nicht verstehen können, warum man deren Mannschaft nicht verehrt. Über eines will ich aber nicht diskutieren: geworfener Dinge! Denn sowas hat nicht mal der Kahn verdient.

Viel wurde damals über den werfenden Jungen geschrieben und über die Verrohung im Stadion und über Rassismus weil zeitgleich auch noch Bananen aufs Spielfeld geworfen wurden. Aber was völlig außer acht gelassen wurde ist eine Diskussion über die Tatwaffe selbst!

Wie Bitteschön kommt ein Golfball ins Fußballstadion? War der Täter ein Golfer oder hat er den Ball vorher einem Golfer entwendet? Handelte es sich um einen Nike- oder Ultra-Ball oder gar um einen teuren Titlest ProV1? Welche Farbe hatte der Ball, war er beschädigt oder stand vielleicht RANGE darauf? Welches Handicap hat der Jugendliche und seit wann hat er die Platzreife? Wurde Kahn – selbst ein erfahrener Golfer – durch den Ruf "FORE!" vor dem ankommenden Ball gewarnt? Wurde ein provisorisches Ball regelkonform nachgespielt?

Versteht mich ob der nicht zu akzeptierenden Ereignisse bitte nicht falsch, aber es kann doch nicht sein, dass da ein Golfball durch ein Fußballstadion fliegt und keiner spricht über Golf!

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht nur gerne und viel Freizeit aktiv am Golfplatz verbringe, sondern ich bin eben auch ein praktizierender Fußballfan – vorzugsweise der Salzburger Dosenmannschaft. Viele findige Golfmanager versuchen in Ermangelung des eigenen Nachwuchses seit Jahren Fußballer zum Golfsport zu bewegen. Wobei man feststellen muss, dass sämtliche Footgolf-Aktivitäten ein schmähliches Schattendasein führen – Schwarze Festung nix dagegen. Vielleicht wäre es nunmehr langsam an der Zeit, dass man versucht mehr Golfer zum Fußball zu bewegen, dann würde ein einzelner geworfener Ball in einem Stadion auch nicht mehr so auffallen. Und der Rasen in den Stadien ist inzwischen so gut, dass man leicht ein bis zwei Golfbahnen darauf errichten könnte.

SCHÖNES SPIEL 🙂

Zukunft braucht Herkunft – Teil 2

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Letzte Woche habe ich darüber referiert, dass früher angeblich alles besser war. Die Aussage ist so falsch wie unsinnig und dennoch ertappen wir uns, daran zu glauben. Dies bringt mich schnurstracks zur zweiten Aussage, die ich letzte Woche als von mir recht wenig geschätztes Totschlag-Argument aufs Tableau gebracht habe:

Das haben wir immer schon so gemacht!

Dazu eine kleine Anekdote aus dem Reich der Tiere. (Hinweis der Redaktion: Auf diversen Internetseiten und auf Kabel1 wurde zwar behauptet, dass es sich dabei um ein reales Experiment gehandelt haben soll. Dies ist aber nicht bewiesen, so bleibe ich dabei, dass es nur eine gut erfundene Geschichte ist.) Für unsere Zwecke reicht das und so erzähle ich vom 5-Affen-Experiment:

Ein Forscherteam sperrte 5 Affen in einen Käfig. In der Mitte des Käfigs stand eine Leiter mit Bananen an der Spitze. Natürlich wollten die Affen die Bananen haben. Aber jedes Mal wenn einer der 5 Affen oben auf der Leiter angekommen war, haben die Forscher die anderen Affen mit kalten Wasser überschüttet, was für einen dahergelaufenen Affen vermutlich höchst unsympathisch ist. Nach einiger Zeit, schlugen die anderen Affen jenen Affen, der versuchte die Leiter hochzuklettern und irgendwann wagte sich keiner der anwesenden Affen mehr in Richtung der Bananen. Danach wurde einer der 5 Affen durch einen neuen Affen ersetzt. Das erste, was der eingewechselte Affe versuchte, war gierig die Leiter zu den Bananen hochzuklettern. Die anderen Affen haben ihn beim Versuch sofort verdroschen und der Neuaffe lernte, dass er die Leiter nicht hochklettern durfte, obwohl er nicht wusste warum.
Ein weiterer Affe wurde ausgewechselt und das Szenario wiederholte sich. Der erste eingewechselte Affe beteiligte sich übrigens brav an dem Vermöbeln des zweiten Affen. Nach und nach wurden alle Affen durch neue Affen ersetzt und das Schlagen wurde beibehalten, obwohl inzwischen kein Wasser mehr geschüttet wurde. Was übrig geblieben war, war eine Gruppe von fünf Affen, die, obwohl sie nie eine kalte Dusche bekommen hatten, jeden zusammenschlugen, der es wagte die Leiter hinaufzuklettern.
Keiner der anwesenden Primaten wusste zwar mehr warum man das nicht tut, aber – frei nach dem Motto: „Das haben wir immer so gemacht!“

Glaubt man dem Charles Darwin seiner Theorie, dann ist der gemeine Primat dem Homo sapiens verwandtschaftlich relativ nahe, quasi Evolutions-Cousins. So gesehen wundert es nicht wirklich, dass auch innerhalb unserer Säugetiergruppe es Verhaltensmuster gibt, die das Bewahrende vor das Progressive stellen. Oftmals tun sie das aus Bequemlichkeit, manchmal aus Sicherheit, einige wenige aus mangelnder Intelligenz und viele nehmen eben immer nur ein und den selben Pfad, weil man es so von den anderen Hominiden gelernt hat oder die Kronenzeitung es behauptet.

Hätte sich die Menschheit im Laufe ihrer 300.000jährigen Geschichte nicht getraut neue Wege zu beschreiten, dann wären wir vermutlich kurz vor der Erfindung des Rades stecken geblieben und hätten ohne es zu wissen, ein langweiliges Dasein in der Unterordnung der Trockennasenprimaten gefristet. Irgendein anderes Lebewesen wäre dann die herausragende Spezies und würde die Erde überbevölkern, Getreide anbauen, malzen, mit Wasser erhitzen und am Wochenende in Bierzelten sauteuer als Getränk verkaufen – um nur eine der vielen hundert herausragenden Errungenschaften des Menschen zu erwähnen.

Zurück zum Ernst der Angelegenheit. Will sagen, dass nur wenn man Neues probiert, kann auch Neues entstehen. Nur wenn man mal nach rechts geht, wenn alle immer stur links gehen, wird man mal woanders hinkommen. Zugegeben, dieser Weg ist aufwendiger und mit mehr Risiko verbunden, aber die Chance dass es dort was Cooles zu sehen gibt, ist umso größer als auf dem linken Weg wo alle rumlatschen. Es kann auch sein, dass der alternative Weg ein rechter Schaas ist und ich hängen bleib, aber „what shalls“? Ich bin in meinem Leben schon öfter komisch abgebogen und bin immer noch da!

Das Leben ist voller Entscheidungen! Ich habe mich vor ein paar Jahren dazu entschlossen auch administrativ mit dem Thema Golf zu beschäftigen. Auch weil ich dachte, dass da konservative Golfwege beschritten werden, die das Ganze immer weiter in eine wirtschaftliche wie thematische Sackgasse führen. Heute sitze ich in unterschiedlichen Gremien und kann Einfluss drauf nehmen, wohin die Golfreise geht. Dort treffe ich zwar auf viele Bewahrer und Verhinderer die neue Ideen wegwischen, noch bevor darüber überhaupt diskutiert werden konnte. Aber es gibt auch Personen die wie ich ebenfalls neue Wege gehen wollen – teilweise müssen! Ich weiß: wird nicht alles schlau sein was ich sage, aber eines könnt ihr euch sicher sein: ich kann die Banane schon riechen!

SCHÖNES SPIEL 🙂

Zukunft braucht Herkunft – Teil 1

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Vermutlich allein schon deshalb weil Golf so ein uraltes Spiel ist, beschäftige ich mich in diesem Blog immer wieder mit dem Thema Vergangenheit. So auch im April 2014, wo ich (zugegeben) ein wenig übertrieben meine eigene Jugend und Kindheit analysiert habe. Inzwischen bin ich um einiges älter, weiser und weißer geworden und so möchte ich 2017 das Thema ein wenig ernster angehen. Denn es gibt 2 Aussagen mit denen ich mir seit jeher immer etwas schwer tue:

  1. Früher war alles besser …
  2. Das haben wir immer so gemacht …

Behandeln wir die beiden Aussagen mal ordentlich der Reihe nach und ich beginne heute mit der vorherrschenden Meinung, dass früher angeblich alles besser war:

Eines der Probleme der Gegenwart ist ja, dass sie mit der wunderschönen Vergangenheit nicht wirklich mithalten kann. Früher haben sich die Nachbarn mehr umeinander gesorgt, es waren weniger Fremde da, es war alles billiger, wir hatten beim Furtgehen immer so viel Gaudi, es gab keinen Terror und islamische Vergewaltiger an jeder Hausecke und Schnee ist auch viel mehr gelegen.

Auch meine Jugend liegt schon mindestens 3/4 meines Lebens zurück und ich ertappe mich dabei meine Vergangenheit zu verklären. Natürlich war früher nicht alles besser und schöner! Natürlich haben wir beim Furtgehen nicht nur gelacht, sondern es war uns manchmal unglaublich fad. Natürlich hatten wir auch Nachbarn die Eigenbrötler waren und keine Spur von Hilfsbereitschaft zeigten. Und Schnee lag auch keiner – zumindest nicht zu Weihnachten. Aber es ist ein wenig so, dass wir uns von der Vergangenheit nur das merken was schön war oder noch schlimmer: wie wir es gerne gehabt hätten.

Ich nehme als Beispiel meine Zeit beim Bundesheer. Wenn ich daran zurückdenke, denke ich an schräge Kameraden und ein paar ziemlich unmilitärische Aktionen die wir da gemacht haben. So gesehen war meine Bundesheerzeit volle lustig. Und das ist die totale Verklärung, denn eigentlich waren es 8 Monate komplette Zeitverschwendung mit ein paar frustrierten Berufsoldaten, die uns das Leben schwer gemacht haben.

Noch ein Beispiel: Als ich vor ein paar Wochen mit Vater und Onkelz in Schweden zum Golfen war, haben die Herren an einem Abend von deren Kindheit und Jugend in den 50ern in Tirol berichtet. Natürlich konnten die 3 damals auch spielen. Aber sobald alt genug, mussten sie in den Stall, den Wald und auf die Felder zur harten Kinderarbeit – nach der Schule und in den Ferien. Heutzutage erschüttert man sich, wenn man sowas aus Bangladesch zu lesen bekommt. Im Österreich nach dem Krieg und Jahre später war Kinderarbeit nicht ungewöhnlich.

Zwei kleine Beispiele die zeigen sollen, dass wir uns von der Vergangenheit nicht zu leicht verklären lassen sollen. Es gibt inzwischen so viele Dinge, die ich heute nicht mehr missen möchte: Beispiel Grenzen! Allein wenn ich dran denke wie oft ich in Sillian, Kufstein oder am Steinpass von Zöllnern gefilzt wurde, da könnte ich einen eigenständigen historischen Filz-Blog eröffnen. Oder denkt mal an den Aufwand den man betreiben musste, um ein Photo zu schießen, zu entwickeln und dann zu sehen. Denkt mal an die relativ überschaubare Auswahl an Restaurants in eurer Jugend und daran wenn wir heute entscheiden müssen zum Inder oder doch zum Japaner zu gehen! Denkt an die vielen schweren Autounfälle in eurer Jugend, die Schlägereien in den Discos und Bierzelten. Denkt an die drogensüchtigen Kollegen von denen manche plötzlich verschwunden sind oder ihr am Friedhof verabschiedet habt. Die Woche drauf dann gleich nochmal ans Grab, weil der nächste sich mit dem Motorrad darennt hat.

Zeiten ändern sich! Es gibt Dinge die waren früher gut und heute schlecht und umgekehrt. Generell würde ich aber behaupten, dass wir hier in Mitteleuropa ziemlich auf die globale Butterseite des Lebens gefallen sind. Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde. Wir haben genug zu essen, viele Autos sind auf uns angemeldet und sozial Schwachen wird geholfen. Sozialschmarotzer werden durchgefüttert, der Rechtsstaat funktioniert recht ordentlich und die Betrüger werden entlarvt. Wir haben ausreichend Freizeit, die medizinische Versorgung ist hochwertigst, wir fahren in Urlaub, leisten uns teure Multimediakommunikationsgerätschaften und können getrost unseren Hobbys nachgehen.

Unsere Ur- und Großeltern konnten das noch nicht behaupten, denn zumindest die meinigen waren in einen grausigen Krieg verwickelt. Ich denke meine Altvorderen hätten in den 50er-Jahren recht wenig Verständnis dafür gehabt, wenn ich gesagt hätte, ich gehe am Samstag mal locker flockig 4 Stunden zum Golfen! Im Jahr 2008 haben sie dann nur mehr gesagt: Du also jetzt auch!

Jetzt habe ich das Problem, dass das ja größtenteils ein satirischer BLOG sein soll. Wenn ich dann aber über Krieg und Drogentote schreibe, dann ist das halt gar nicht so lustig. So möchte ich euch diese Woche dennoch nicht hängenden Kopfes stehen lassen und drum schreibe ich uns jetzt ein paar Aussagen, die ich im Internet gefunden habe, die sich mit dem Thema „Früher war alles besser“ auseinandersetzen:

  • Früher war alles besser! Vorgestern zum Beispiel, da war Sonntag!
  • Früher war alles besser! Heute kann man nicht mal mehr seine Kinder im Wald aussetzen. Haben alle eine Handy mit Navi!
  • Früher war alles besser! Vor 2 Minuten zum Beispiel, da hatte ich noch eine Tafel Schokolade!
  • Früher war alles besser! Da hat man anständig per SMS Schluss gemacht und nicht einfach seinen Beziehungsstatus auf Facebook geändert!
  • Früher hat man zur DAB-Handbewegung noch ordentlich „Heil Hitler“ gesagt!
  • Früher war alles besser, denn jeder von uns kannte Rosis Telephonnummer!
  • Früher war alles leichter! Ich zum Beispiel!

und nicht vergessen:

  • Früher war sogar die Zukunft besser!

SCHÖNES SPIEL 🙂

Teil 2 dann in einer Woche …

Lose hinderliche Naturstoffe

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Als Natur bezeichnen wir in der Regel all das, was nicht vom Menschen geschaffen wurde. Dabei reagiert sie nach ganz eigenen Gesetzen und seit Menschengedenken versucht nun der Homo selbige zu regulieren. Sei es durch die Erfindung von Werkzeugen, die Zähmung des Feuers, die Begradigung von Flüssen, das Abholzen von Wäldern oder das Versprühen von diversen Fungi- und Pestiziden. Der Mensch ist extrem gut darin Dinge zu regulieren. Wir stellen aber leidvoll fest, dass die Natur am längeren Ast sitzt und mit Klimawandel, Lawinen, Hochwasser, Erdrutschen, Waldbränden und einer verlängerten Hurricansaison zurückschlägt. Dahinter vermutet der amtierende US-Donald zwar die Chinesen – wir aber wissen, dass da die Natur dahintersteckt.

Neben der nachhaltigen Zerstörung der Natur, hat der Mensch aber noch andere Hobbys – so zum Beispiel Sport. Und hier unterscheiden wir zwei große Arten von Sport: Naturnahe Sportarten und naturferne Sportarten! Naturnah ist alles wo die Natur großen Einfluss auf das Ausführen der Sportart hat. Als Beispiele würde ich hier sehen: Bergsteigen, Segeln, Wildwasserkajak oder Skispringen. Wind, Wetter, Schneefall, Wasser, Temperatur usw. – alles sehr entscheidende Faktoren ob der Bergsteiger wieder ins Tal zurückkommt oder nicht und wenn ja wie! Im Gegensatz dazu hat zum Beispiel ein Basketballspiel in einer Turnhalle wenig mit der Natur zu tun – außer bei einem parallel stattfinden Erdbeben. Daraus erkennen wir: je mehr Indoor eine Sportart ist, umso weniger wird sie von der Natur gestört: bestens Beispiel sind hier die diversen Skihallen von Bottrop bis Dubai.

Ich denke einem Großteil der Menschen ist klar, dass ein durchschnittlicher Golfplatz zwar künstlich angelegt wurde, aber dann wenn er mal da ist, einiges an Natur zu bieten hat. Weiters muss man akzeptieren, dass, wenn man sich auf Golf einlässt, die Natur mächtigen Einfluss hat – allein schon deshalb weil es im Freien gespielt wird. Und wie es die Natur so an sich hat, tut die eben manchmal Dinge, die einem in der Ausführung eines Sports stören. Beim Segeln wäre das zum Beispiel eine unerwartete Windböe, beim Skifahren eine Eisplatte oder beim Motorradfahren Rollsplitt in der Kurve.

So ein Golfplatz hat ca. 60 Hektar Aussenfläche – ist also mehr Outdoor als so manch andere Sportart. Dort bläst oft Wind, gerne regnet es oder es brennt wie ausgerechnet heute die Sonne. Äste und Blätter fallen von den Bäumen, Grillen zirpen in der Wiese, in der Früh liegt Morgentau und manchmal läuft ein scheues Reh über das Fairway oder es hoppelt ein lustiger Hase. Klingt alles ganz wildromantisch – aber ich muss euch spätestens jetzt auf den Boden der Realität zurückholen.

Golf wäre nämlich nicht Golf, wenn es nicht Regeln dafür geben würde, wie man sich diesen Auswüchsen der Natur stellen muss! Der Golfer fragt sich nämlich: was muss ich tun, wenn mein Ball direkt neben einem Stein oder einem Tannenzapfen gelandet ist? Ich kann ja dann meinen Ball nicht schlagen, ohne dass der Stein (bzw. Zapfen) mitfliegt? Was muss ich tun, wenn mein Ball unter herabgefallenen Blättern oder Ästen verschwindet? Was wenn das romantische Rehlein, welches vorhin noch über das Fairway gesprungen ist, recht unromantisch genau an der Stelle hingekackt hat, wo jetzt mein Ball liegt? Auch der Hase hat scheinbar seine Spuren hinterlassen und hat vor dem süßen Hoppeln noch schnell ein Hasenloch gegraben. Die Erde liegt daneben und mein Ball im Loch!

Wenn es um Steine, Blätter, Zweige, Äste, Kot oder (gerne gefunden auch) ein ausgetrockneter Regenwurm geht, dann spricht der Golfer von „losen hinderlichen Naturstoffen“. Das entscheidende Wort an dieser Stelle ist übrigens lose: sprich die betreffenden Gegenstände dürfen weder

  • befestigt noch wachsend,
  • noch fest eingebettet sein
  • und auch nicht am Ball selbst haften.

Man muss also probieren, ob der Ast wirklich lose ist, oder ob der hier aus dem Boden wächst! Wenn lose, dann darf man ihn nämlich weggeben, solange der Ball sich beim Weggeben nicht bewegt. Wäre er angewachsen, dann musst du deinen Ball genauso spielen wie er liegt. Ist es auf dem Platz nicht eindeutig ersichtlich, ob z. B. ein Ast oder ein Grashalm noch angewachsen ist, so darf der Spieler nur äußerst vorsichtig überprüfen, ob diese Teile eine aufrechten Verbindung zum Boden haben. Wenn dies der Fall ist, darf nichts davon wegbewegt werden, da es sich dann nicht um einen losen hinderlichen Naturstoff handelt, der nach Golfregel #23 entfernt werden darf. Bricht beim Weggeben-Versuch übrigens etwas ab, weil eben nicht lose, so trägt der Spieler dafür die Verantwortung und zieht sich gleich zwei (!!) Strafschläge auf einmal zu.

Man darf also keine Äste einfach abknicken oder Grasbüschel aus der Erde rausreißen! Eben weil es nicht lose ist. Oben erwähnte Tannenzapfen sind lose, Blätter sind auch lose und auch Steine sind grundsätzlich lose – zumindest bis zu einer bestimmten Größe, nicht das ihr glaubt, dass man ganze Felsen wegrollen darf! Wenn der Winter noch nicht ganz verschwunden, dann gilt zum Beispiel auch Schnee als loser hinderlicher Naturstoff – aber wer denkt jetzt im August schon an Schnee?

Oben erwähnt habe ich auch, dass natürliche Dinge die direkt am Golfball haften nicht entfernt werden dürfen. Ist der Ball also dreckig, so darf man ihn (außer man liegt bereits am Grün) NICHT reinigen! Klebt oben erwähnter Rotwildkot am Ball, dann darf man diesen nicht entfernen! Viele Golfer nehmen das aber nicht ganz so genau und reinigen sehr wohl deren Bälle – auch außerhalb vom Grün. Das Spiel ist auch ohne diese Zusatzbelastung oft Scheisse genug! Und wir wollen ja ein

SCHÖNES SPIEL 🙂

Sekundenschwung

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Wenn man sich auf ein Mountainbike setzt (oder in ein Kajak oder auf ein Pferd) dann beginnt ab dem dem Zeitpunkt des Besetzens der Sport. Sprich

  • du musst die Pedale treten – um nicht umzufallen,
  • du solltest die Paddel schwingen – um dich der Strömung zu widersetzen und
  • um nicht hoch zu Ross dumm rumzusitzen und zu warten, dass hinten Äpfel rausfallen, ist es klug das Pferd zum Gang zu bewegen.

Will damit sagen, dass jede Sportart, die etwas auf sich hält, relativ schnell damit beginnt kontinuierlich Aktivität zu vollziehen.
Jetzt gibt es ein paar sportliche Ausnahmen, wo die Dauer der Leistung relativ kurz ist, im Verhältnis zum Aufwand. Skispringen zum Beispiel. So ein Skisprung (im Idealfall "Flug") dauert nicht wirklich lange und der Athlet steht schon wieder sportlos im Zielhang und wartet auf die Haltungsnoten. Oder beim 100 Meter Lauf: da ist der durchschnittliche Jamaikaner auch schon nach Maximum 10 Sekunden beim Siegerinterview und hatte unterwegs nicht mal richtig Zeit zu schwitzen. Oder nehmen wir den Angelsport: Auch dort ist das Verhältnis etwas ungewöhnlich. Da hängst den Wurm stundenlang wortlos ins Wasser und dann zappelt für eine Minute der heimische Barsch. Aufwand- und Leistungsverhältnis stehen sich hier sehr diametral gegenüber.

Auch beim Golf ist das Warte:Sport-Verhältnis komplett aus dem Lot. Der gemeine Golfer latscht 4 Stunden über den Platz ca. 10 Kilometer. Dazwischen macht er so um die 100 Schläge – je nachdem wie gut man ist. Von den 100 Schlägen gehen ca. 2/3 auf Distanz und 1/3 auf kurze Präzision. Danach wird der eben absolvierten Flugbahn des Balles wieder hinterhergelatscht, um die eigentliche Sportart – den Golfschlag – überhaupt wieder durchführen zu können. Bei vier Stunden Golf schlägt man nur alle 2,5 Minuten den Ball. In diesen dazwischenliegenden 2,5 Minuten wird gelatscht, Schläger geputzt, Schläger aus dem Bag rausgenommen und zurückgesteckt. Es werden Ergebnisse auf Scorecards notiert, Bälle gesucht, Bunker gerechnet, Einschlaglöcher ausgebessert, getrunken, gequatscht, gejammert, gejubelt und dann wieder gelatscht.

Vergleicht man Golf mit einem Auto- oder einem Langlaufrennen, dann erkennt man relativ schnell den Unterschied daran, dass der Rennfahrer bzw. -läufer seine sportliche Leistung nicht unterbricht, sondern diese kontinuierlich und wenn möglich schneller als die Mitfahrer bzw. -renner durchzieht. Biathlon ist auch ein gutes Beispiel: hier unterbricht der Biathlet seinen Sport (Langlauf) durch einen weiteren Sport (Schießen). Beim Golf unterbricht der Golfer den Sport (Golfschlag) durch Latschen – welches man mit einem ausgedehnten Sonntags-Spaziergang vergleichen kann.

Golfer stehen viel, Golfer latschen viel, Golfer ratschen viel. Das Verhältnis zwischen dem eigentlichen Sport ("Golfschlag") und den dazwischenliegenden Pausen ("Latschen") ist also verhältnismäßig unausgeglichen. Golf ist kein Hochleistungssport, dass erkennt man schon daran, dass man während der Ausübung des Sports rauchen und saufen kann und man das Gelatsche sogar durch eine Autofahrt im elektrischen Golfwagerl ersetzen könnte. Golfer werden deswegen oft belächelt! Aber die Schwierigkeit beim Golf ist nicht die körperliche Anstrengung, vielmehr ist es die Schwierigkeit die Konzentration über 4 Stunden aufrechtzuerhalten. Konzentration bedeutet Konstanz, Konstanz bedeutet Präzision, Präzision bedeutet weniger Fehler, weniger Fehler bedeutet weniger Schläge – und das ist der Endzweck beim Golfen!

Meine Theorie besagt: Golf ist genau deshalb so schwierig, weil Golfer unterwegs mehr Zeit zum Denken haben als zum Spielen selbst. Je mehr man denkt, umso schlechter ist das Spiel. Du musst aber dennoch denken, denn es passieren auf der Runde so viele spezielle Situationen, die wiederum deine Gedanken benötigen – quasi Doppelbelastung. Spiele ich den Ball rechts vom Baum, links vom Baum oder drüber oder drunter? Schaffe ich den Schlag übers Wasser? Ist der Bunkersand nass oder trocken? Und schaffe ich es noch zur Halfway oder pinkle ich in den Wald? Golf ist eine Mischung aus Denksport und Nicht-Denksport. Genau das ist die grosse Herausforderung und jeder der es spielt – verzweifelt genau daran. Es ist nämlich ein verflucht

SCHÖNES SPIEL 🙂

Musikverweigerer

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Musik ist seit der Erfindung der Menschheit eine nicht mehr wegzudenkende Errungenschaft. Afrikanische Trommeln, keltische Tröten, gregorianische Choräle, traditionelle chinesische Pipa-Laute, Panflöten im peruanischen Hochland, der Rock’n Roll vom Elvis Pressluft, kommunistische Marschmusik und Rap vom Eminem. Diese musikalische Liste liese sich schier unendlich über die gesamte Menschheitsgeschichte fortsetzen. Und auch wir Menschen sind in Bezug auf Musik ganz unterschiedlich gewickelt:

  • Die einen spielen es – die anderen konsumieren es!
  • Die einen hören oft – die anderen zu wenig!
  • Die einen hören bewusst – die anderen am Rand!
  • Die einen zahlen dafür Geld – die anderen bekommen es so!
  • Die einen hören es live – die anderen aus der Dose!

Und beim Wort Dose ist mir etwas aufgefallen. Seit Sony 1979 den Walkman auf den Markt gebracht hat, ist Musik vom Raumklang in den privaten Gehörgang gewichen. Wenn früher wer musiziert, ein Grammophon angeworfen, das Radio eingeschalten, dem Kasettinger gelauscht oder eine Platte aufgelegt hat, dann hat die Umgebung das für gewöhnlich mitbekommen und oftmals drüber beschwert und sehr laut „LEISER“ gerufen oder „NEGERMUSIK“ – was man heutzutage schon allein der Neger wegen gar nicht mehr rufen darf. Es gab zwar schon früher Kopfhörer, aber richtig populär wurde das ganze in den 80er-Jahren durch die Walkman. Quasi die Privatisierung der Musik und vor allem jedem die seine!

Heutzutage ist Musik in aller Ohren und es gibt viele neue Situationen wo wir Musik konsumieren:

  • Der Programmierer sitzt vor seinem Computer und im Kopfhörer läuft zur Entspannng Trashmetal
  • Im Auto dudelt das Radio die Hitparade zwischen den Staumeldungen
  • Die zyklische Warteschleife bei der Hotline lässt auch dich rotieren
  • Im Maxi-Markt kaufanimierende Musik aus der Decke
  • … und dann war da noch die SPORTMUSIK

Ausdauersport ist langwierig und je länger man ihn treibt, umso länger kann man ihn ausüben. Um vom eigentlichen Sport abzulenken, betreiben viele Menschen selbigen mit Smartphone, Kopfhörer und Musik. Der Radlfahrer, der Jogger, der Kajakfahrer oder der Langläufer sind gern „hörende“ Cardiotrainierer. Es lenkt von der Anstrengung ab und die anaeroben Zonen sind zufrieden.

Dann gibt es ein paar Sportarten die tun sich aus physikalischen Gründen schwer musikalisch unterstützt zu werden. Schwimmen zum Beispiel, Boxen, Badminton oder Eishockey. Ich denke die Gründe muss ich nicht extra erklären.

Golf ist komischer Weise völlig „musiklos“ und ich hab nicht die leiseste Ahnung warum! Ich gebe zu, dass mir persönlich beim Golf das naturnahe Vogelgezwitscher und Grillengezirpe lieber ist als jede Art von Musik – aber ich bin nicht die Regel. Auch spiele ich Golf ganz selten allein und ich weiß noch dazu auf meinen Golfrunden immer soviel zu erzählen: Musik würde dabei die Kommunikation schwerst behindern. Aber es gibt (auch wenn nicht gerne gesehen) jede Menge Alleinspieler. Sogar ich, der Golf eher der Menschen denn des Spieles wegen spielt, dreht 2 bis 3mal im Jahr alleinige Runden oder steht allein auf der Driving Range. Musikbegleitung? Bis vor kurzem habe ich daran noch nicht mal gedacht!

Jetzt kann es dafür Gründe geben: So hängen dir die Kopfhörer samt Kabeln in den Ohren. Beim Schwung ist das eher ein Quatsch, weil man leicht an denen hängen bleiben kann, du dich umwickelst und selbst damit fesselst. Scheinbar sind es aber nicht nur die Kabel, sondern viel schlimmer ist der Rhythmus! Der Golfschlag folgt einer eigenen Geschwindigkeit, beim unmittelbaren Musikwechsel von Beyoncé auf Bob Marley hast vermutlich nicht nur einen Knoten im Ohr, sondern auch in der Hüfte! Und stellt euch vor der Hansi Hinterseer singt dir am Stück seine 18 größten Hits – während du 18 Bahnen spielst!!! Der Angriff auf Pearl Harbour nix dagegen!!!

Aber es muss ja nicht der *Dawodia-Hansi sein, vielleicht könnte man ja zumindest beim Jugendtraining im Hintergrund ApeCrime, Bushido oder David Guetta spielen. Doch gerade die Text von Bushido könnten aber für einen konzentrierten Golfschwung kontraproduktiv sein.

Disko rein, Disko raus, Party mit den Fotzen, jeden Tag besoffen und Ari trägt die Kosten!

Je länger ich drüber nachdenke ist es gar nicht so schlecht, dass nicht immer und überall Musik läuft und wir am Golfplatz auf Musik verzichten. Vielleicht ist Golf ja auch deshalb positiv für uns, weil es dort genau gar keine Musik gibt! Multimedialer Overflow im normalen Leben :: Audioverzicht am Golfplatz!

SCHÖNES SPIEL 🙂

*Dawodi-Hansi: Pseudonym für Hansi Hinterseer weil viele seiner Lieder mit Dawodi beginnen. Da-wo-di Blumen blühen, Da-wo-di Alpen glühen, Da-wo-di Liebe hinfällt usw. usf.

Malmö FF

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Eigentlich hätte ich als praktizierender RedBulls Salzburg-Fan niemals eine Reise nach Malmö antreten dürfen – dafür haben die CL-Quali-Niederlagen in den vergangenen Jahren zu sehr geschmerzt. Aber man soll manchmal über seinen eigenen Schatten springen und so bin ich zur diesjährigen (inzwischen traditionellen) Golfreise mit Vater und 2 Onkelz gen Norden gezogen – nach Schonen wo die Schweden wohnen und vor allem golfen!

Schweden ist ein golfverrücktes Land! Das merkt man daran, dass es hier ungefähr so viele Golfplätze gibt wie in Deutschland – aber nur 10% der Einwohner. Und vor allem hier in Südschweden liegt tatsächlich ein Golfplatz neben dem nächsten und die 6 Plätze, die wir besucht haben waren noch dazu prall gefüllt mit Golfern.

Nachdem es in Malmö vor (!!!) unserer Anreise 3 Wochen lang geregnet hat, war alle Plätze zum Glück grün und die Wasserhindernisse bis unters Dach gefüllt. Wir selbst hatten in der ganzen Woche am Tag nur 7 Minuten Regen – wohlgemerkt nicht am Stück. Für uns Mitteleuropäer ungewöhnlich die langen Tage, denn um 4 Uhr früh war es hell und noch um 23:00 Uhr saßen wir am Hafen im Freien und das bei sowas wie Sonnenlicht.

Die Anreise erfolgte mit dem Flugzeug, welches wir wegen Münchner Autobahnrings-Dauerstau fast versäumt hätten, über Kopenhagen. Mit dem Leihauto ging es dann über den Öresund ins 25 km entfernte Malmö. Seit der Einweihung der Öresundbrücke im Jahr 2000 bildet das schwedische Malmö und das dänische Kopenhagen eine Metropolregion von dem das vermutlich ehemalig langweilige Malmö sehr profitiert hat. Gewohnt haben wir eine Woche lang in einem klassischen Stadthotel im Altstadt-Zentrum von Malmö – Fußweg 2 Minuten zum Stortorget dem Alten Platz. Unmittelbar dahinter der bei Einheimischen und Touristen so beliebten Lilla Torg mit einer breiten Palette von verschiedenen Restaurants – alles, von Sushi bis zum Englisch Pub. Ebenfalls noch in Fussnähe das Malmöhus Slot und der Kungsparken, der in keiner ordentlichen skandinavischen Stadt fehlen darf, weil irgendein König Gustavsson der soundsovielte hat sich dort ein Denkmal errichten lassen, weil er an dieser Stelle vermutlich eine Schlacht gegen die Dänen gewonnen hat – oder umgekehrt. Witziger weise haben sich hier in Malmö die dänischen und schwedischen Könige historisch abgewechselt – sogar die Deutschen Hanseaten waren eine zeitlang am politischen Ruder. Denkmäler haben aber nur die Schweden.

Wurscht wo man sich in Malmö befindet, sieht man das mit 190 Metern aktuell höchste Hochhaus von ganz Skandinavien: den Turning Torso. Hätten wir Zeit gehabt, dann wären wir vermutlich auch raufgefahren. Aber wer hat bei einer Golfreise schon Zeit? So haben wir uns am Tag eher rund um Malmö aufgehalten und besuchen das historisch irgendwann mal viel wichtigere Lund und an unserem golffreien Tag sind wir in das viel interessantere Kopenhagen rübergefahren.

Ansonsten mussten wir natürlich sehr viel Golfen. Ca. 30 Autominuten von unserem Hotel entfernt liegen der 36-Loch-Golfplatz von Bokskogen und (!!) der 45-Loch-Golfplatz PGA of Sweden National. Diese beiden riesigen Anlagen sind selbst nur 5 Minuten auseinander. PGA National beschäftigt aktuell 70 Mitarbeiter! Wirtschaftlich gesehen wäre das in Österreich der ultimative Wahnsinn und ungefähr vergleichbar als wenn allein in Hallwang bei Salzburg 2 Golfplätze mit 81 (!!) Golfbahnen wären – mit nochmal zwanzig weiteren 18-Loch-Golfplätzen in unmittelbarer Nachbarschaft.
Neben den eben erwähnten 81 Bahnen von Bokskogen und PGA National haben wir noch den sehr im Schottland-Style gehaltenen 27-Loch-Golfpladsen von Ljunghusen ganz im Süden bewältigt. Morgen folgt dann noch zum Abschluss das angeblich golferisches Highlight „Bärsebäck“ nördlich von Malmö in der Nähe von Lund!

Bin schon gespannt was uns dort erwartet. Denn bisher hatte jeder Golfplatz seine ökologischen Eigenheiten: Bokskogen hat definitiv ein Wildgänseproblem, die sich dort in den vielen Teichen aufhalten. Damit sie denen nicht die Grüns vollkacken, hat man Stroboskope aufgestellt, die in der Nacht eine nervige Flash-Lightshow abhalten. Im PGA of Sweden waren es Kaninchen und Raben, die sich auf den Fairways vor unseren Bällen geschützt haben. Ljunghusen waren dann die Möven an der Reihe und natürlich der namensgebende Ljung – Heidekraut aus welchem man nicht mehr rausspielen konnte, wenn der Ball mal dort lag.

Am Donnerstag verlassen wir 4 Skandinavien wieder Richtung Heimat. Geniale Reise – mit sehr lässigen Golfplätzen und sehr netten Menschen! Und wir sind ab sofort dazu berechtigt den Titel „Alter (Golf) Schwede“ zu tragen. Weil wir hatten eine Woche lang ein

VACKRA SPELET 🙂

Lärmschutz-Wand-Land

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Wenn man auf der Autobahn durch Österreich fährt, dann sieht man oft nix von unserem schönen Land. Links und rechts des Asphalts zwängen sich die Lärmschutzwände in die Höhe und durch die Landschaft. Es ist verrückt, aber mir scheint, als ob wir uns hinter diesen Lärmschutzwänden verstecken. Fährt eine deutsche Familie nach Italien in den Urlaub, so durchquert sie zwar Österreich und zahlt brav Vignette (bevor ich sie rette), aber wirklich sehen darf die piefkinesische Familie unser Land durch den Lärmschutz nicht.

Aber nicht nur dass Autofahrern der Blick verweigert wird, es kommt mir manchmal so vor als ob die Lärmschutzwände nicht nur an den Straßen errichtet wurden, sondern auch in so manchen Gehirnen. Wir sehen nix, wir hören nix, wir sagen nix! Der Österreicher an sich jammert recht gern still und heimlich – maximal noch am Stammtisch. Goschn aufreissen ja – aber nur wenn es keiner hört und ich für nix verantwortlich gemacht werden kann. Zum Beispiel nach dem Motto: „Mir ists ja Wurscht, aber ich kenne wen, dem ist aufgefallen, dass …“

Aber zurück zur Lärmschutzwand und nun auch zum Golf. Golfplätze haben sich nämlich durchaus bewusst viele Jahre lang mit einer Art durchsichtigen Wand umgeben. Man wollte unter seinesgleichen bleiben: ein wenig elitär, ein wenig Klüngel. Wer in den erlauchten Kreis eintreten wollte, musste hohe Aufnahmegebühren zahlen und manche Golfplätze verlangten sogar einen Leumund, der dich als Mitglied inthronisierte. Heute wären viele Golfclubs froh, wenn diese fiktive Wand niemals gebaut gewesen wäre. Jetzt versuchen wir jedem zu sagen: es gibt ja gar keine Wand, das sind Hirngespinnste in den Köpfen der Nicht-Golfer. Wir Golfer sind ganz normale Leute!

Aber sie ist da (die Wand) und ich kann sie nicht wegleugnen. Also muss man versuchen sie langsam aber stetig abzutragen. Den Golfplatz zu öffnen, fremde Leute einzuladen, das Restaurant für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, am Golfplatz andere Sportarten spielen uvm. Es ist die einzige Chance wieder neue Mitglieder zu bekommen, wenn man eine große Gruppe von Menschen dazu bewegt Golf auszuprobieren, bleiben einzelne eventuell hängen. Neue Mitglieder zu werben ist eine Forderung aller bestehender Golfer – eine Art betriebswirtschaftliches Grundverständnis.

Wir schaffen es im Golfpark Böhmerwald jetzt langsam aber sicher, dass die Wand gerade zu bröckeln beginnt. Neue Gesichter, neue Besucher, neue Kursteilnehmer und neue Mitglieder! Noch nicht viele – aber wie sagt ein Sprichwort so schön: da ist ein Tunnel am Ende des Lichts!

Aber siehe da – es gibt die ersten Beschwerden der bestehenden Golfer:

  • Früher war so wenig los, da musste man keine Startzeit reservieren!
  • Früher hat man im Restaurant sitzen können wo man wollte, jetzt muss man einen Tisch reservieren!
  • Früher hat man sich mehr um jeden Einzelnen gekümmert!

Neue Mitglieder fordern und dann beschweren wenn sie da sind, ist ein kruder Umkehrschluss den man nur schwer verdauen kann. Ich bin inzwischen davon überzeugt, wir sind auf dem richtigen Weg. Ob wir ans Ziel kommen ist noch fraglich, denn der Weg ist steinig. Wer jetzt jammert, dass bei uns zu viel los ist, der sollte sich in sein Auto setzen und zwischen Lärmschutzwänden an einen anderen Golfplatz fahren. Alle anderen haben im Böhmerwald ein

SCHÖNES SPIEL 🙂

P.S. Ich verlasse morgen übrigens für eine Woche meine Golfheimat und wechsle wie jedes Jahr mit Papa und zwei Onkels in ein fremdes Golfland. Nach Schottland (2013), Irland (2014), Bulgarien (2015) und Tschechien (2016) bringt uns unsere diesjährige Golfreise in den hohen Norden und so berichte ich nächste Woche live aus Malmö!

Flachland – Strichland – Raumland

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Flatland ist eine 1884 von dem Briten Edwin Abbott Abbott (ich liebe diese Doppelnamen!) veröffentlichte gesellschaftskritische mathematische Satire. Damals herrschte im guten alten England Königin Victoria (1837 bis 1901). Während dieses sogenannten Viktorianischen Zeitalters florierte bedingt durch die industrielle Revolution Großbritanniens Wirtschaft prächtig. Ein nagelneues Eisenbahnnetz, Kolonieen ohne Ende und im Gegesatz zu Resteuropa keine gröberen politischen Unruhen, taten ihr Übriges zum britischen Erfolg. Es war ruhig auf der Insel – manche behaupten sogar fad und so konnten die englischen und schottischen Lords und Lordinnen dem Golfspiel frönen – aber dazu später mehr.

Während die Earls sinnbefreit golften, veröffentlichte Abbott Abbott also seine Flachland-Novelle. Und die hatte es in sich. In Flatland lebt ein gewisser A.Square – der Erzähler. Flatland ist eine komplett zweidimensionalen Welt, deren Bewohner die Gestalt einfacher geometrischer Formen haben und einem strengen Kastensystem unterliegen. Frauen sind gerade Linien. Soldaten und Arbeiter sind gleichschenklige Dreiecke. Sie gehören der Unterschicht an und genießen kein gesellschaftliches Ansehen, da nicht alle ihre Seiten gleich lang sind und sie deshalb als verunstaltet gelten. Wegen ihres spitzen Winkel sind sie jedoch gefährlich, da sie damit leicht andere Figuren tödlich verletzen können. Die Mittelschicht bilden gleichseitige Dreiecke wie beispielsweise Kaufleute. Darüber stehen die Gelehrten, die Quadrate, Fünfecke, Kreise usw.

Entscheidend ist dass alle Personen flach waren! Eines Tages besucht A.Square (selbst ein Quadrat) im Traum das benachbarte Linienland. In Linienland jedoch ist alles eindimensional und deren Bewohner nur unterschiedlich lange Strecken auf einer Geraden. Vergeblich versucht er den König von Linienland davon zu überzeugen, dass es noch eine weitere Dimension gibt. Man schüttelt über diesen komischen Typen den Kopf!

Ein weiterer Traum führt ihn dann in das nulldimensionale Punktland, wo er nichts als einen nulldimensionalen Punkt sieht, der nur sich selbst kennt und sich in Selbstgesprächen in den höchsten Tönen lobt. Zurück in seiner zweidimensionalen Welt erscheint dem Erzähler eine Kugel, ein Gast aus dem dreidimensionalen Raumland. Erst nach langer Mühe gelingt es der Kugel, das Quadrat von der Existenz der dritten Dimension zu überzeugen, und sie nimmt es zu einem Rundflug über seine zweidimensionale Heimat mit. Der nun zur vollen Erkenntnis der Dimensionalität gelangte Erzähler übertrifft daraufhin die Kugel, seinen Lehrer, darin, indem er sogar die Denkbarkeit vier- und höherdimensionaler Welten beschreibt, was die Kugel verärgert und die ihn deshalb zurück in seine zweidimensionalen Welt stößt. Als der Erzähler seine Erkenntnis der höheren Dimensionen schließlich unter den Bewohnern von Flatland verbreiten will, stößt er allerdings nur auf Irritation und wird schließlich als Aufrührer eingekerkert.

In unsere Sprache übersetzt heißt das: was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht oder das ist bei uns so und das haben wir schon immer so gemacht.

Man muss manchmal den Horizont ein wenig öffnen, neue Dinge wagen, querdenken und akzeptieren, dass man selbst nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Neben Flatland kann noch viel mehr existieren! Im Zeitland könnte man Veränderung erwarten, wenn man Dinge früh genug anstößt. Oder wie wärs zum Beispiel mit Hügelland: Golfplätze sind ja gerne mal hügelig und ohnehin gehört Golf schon wegen der Form des Balles wegen zum Kugelland.

Natürlich kann man sich auf Erfolge in der Vergangenheit ausruhen und wie die oben erwähnten Lords ausschließlich zum Golfen gehen und nix mehr haggln. Ist mir aber definitiv zu eindimensional!

SCHÖNES SPIEL 🙂