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Ich sitze beruflich bedingt viel und lange alleine im Auto. Nicht meine favorisierte Beschäftigung, aber manche Dinge muss man akzeptieren, solange die Drohnentransporter für Menschen nicht zugelassen sind bzw. das Beamen nicht erfunden wurde. Wenn man jetzt so viel im Auto sitzt, dann hat man da Zeit für andere Sachen – zum Beispiel über die Zeit an sich nachzudenken. Und genau das habe ich getan und dabei sind mir ein paar Dinge eingefallen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Zum Beispiel ist mir aufgefallen, dass die Jahreszahlen 1960 bis 1999 nicht als Uhrzeit einer Uhr dargestellt werden können. Bis 19:59 hat das funktioniert und dann wieder ab 20:00. Quasi sind wir die darin Geborenen die „uhrzeitlose Generation“. Dann ist mir aufgefallen das seit dem Jahr 1988 bis ins Jahr 2012 niemals 4 verschiedene Ziffern in den Jahreszahlen gestanden sind. Erst seit 2013 gibt es wieder 4 unterschiedliche Ziffern. Das ganze endet aber schon wieder im Jahr 2020, denn da kommt die 2 dann immer doppelt.

Zu unphilosophisch? Dann gerne mit etwas Philosophie gewürzt: Beginnen wir mit den Zeit-Gedanken des spätantiken Philosophen Augustinus. Er nämlich erklärt die Zeit zu einer blossen Illusion. Sie sei nämlich zusammengesetzt aus Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Zeit gäbe es nur, weil die Zukunft zur Gegenwart und die Gegenwart zur Vergangenheit wird. Kurz: Weil die Vergangenheit die Zukunft der Gegenwart ist bzw. das Heute das Gestern von morgen. Er behauptet damit es gibt weder Zukunft, noch Vergangenheit, noch Gegenwart. Denn das Zukünftige ist noch nicht, das Vergangene ist nicht mehr, und die Gegenwart ist eine blosse sehr flüchtige Grenze zwischen Zukunft und Vergangenheit: Sobald wir sie denken, ist sie bereits vorbei.

Alles schön und schlau, doch Philosophen haben dass Problem, dass spätestens 250 Jahre später wer deren Bücher in irgendeiner Uni findet, liest, versteht und ein Gegenargument findet. In diesem Fall Edmund Husserl. Er argumentiert nämlich für eine ausgedehnte Gegenwart am Beispiel der Musik? Wenn wir nämlich einer Melodie lauschen, dann hören wir nicht einzelne Töne, sondern wir haben die vergangenen Töne noch im Kopf und nehmen die nachfolgenden bereits vorweg. Vor unserem inneren Ohr haben wir – auf seltsame Weise – die ganze Melodie präsent, von Anfang bis Schluss. Die Gegenwart dauert so lange wie die jeweilige Melodie.

Sehr schöner Gedanke und wäre da nicht dieser Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie dahergekommen, hätte man das auch so stehen lassen können. Einstein sagt, dass die Zeit eine völlig subjektive Wahrnehmung ist, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Man kann sagen, sobald sich was bewegt, tut sich was und das wird je nach Größe und Geschwindigkeit anders individuell wahrgenommen. So empfindet eine Eintagsfliege Zeit definitiv anders als ein Pottwal, ein Mensch im Alter von 14 anders als mit 74 und jemand der (wie ich gerade) mit dem Wohnmobil vor Breslau in einem 10-Klometer-Stau steht anders, als wenn du mit dem TGV durch Frankreich braust. Ganz zu schweigen von den Außerirdischen Zenotranern die äußerst belustigt unsere Entwicklung seit 12.775 Jahren mit deren Phironen-Fernrohren beobachten. Somit ist Zeit sehr relativ.

Golf gilt in der subjektiven Wahrnehmung von Nicht-Golfern als sehr zeitaufwendiger Sport. Golfer wiederum haben die komplett gegenteilig subjektive Wahrnehmung, nämlich viel zu wenig Zeit dafür zu haben. Die würden gerne noch viel mehr und öfter spielen, werden aber durch Dinge wie einem Arbeitsplatz, einem Unternehmen, einer Kanzlei oder Praxis vom Golfsport abgelenkt. Viel schlimmer noch: denn viele Menschen beginnen erst spät („wenn ich dann mal in Pension bin“) mit dem Golf, lernen es nimma gescheit und ärgern sich spät, dass sie nicht früher damit begonnen haben.

Das Argument mit dem „Golf ist zeitaufwändig“ ist eine Ausrede. Denn wenn man was gerne mag, dann findet man Zeit dafür. Ich kenne Leute die gehen liebend gerne für 6 Stunden jeden Samstag mit geladener Motorsäge in den Wald zum Timbern. Andere fliegen jedes Wochenende mit dem Paragleiter durch die Alpen, halten sich ein Pferd welches täglich gestriegelt und beritten werden muss und wieder andere (ich möchte ja keine Namen nennen aber der Pele weiß wen ich meine) basteln tagelang großflächige Modelleisenbahnen. Jeder Aussenstehende wird sagen: dafür hätte ich keine Zeit.

Ich kenne ziemlich viele Leute die viele Stunden am Golfplatz verbringen (und danach beim Wirten zur Nachbesprechung sitzen). Golf ist genauso zeitintensiv wie man es anlegt und damit beißt sich da zeitlich gesehen dem Einstein seine Katze quasi in ihren eigenen Schwanz! Viel — wenig? Zu früh – zu spät? Zu lang – zu kurz? Mir selber passt das mit dem Golf grad genauso wie es ist. Mal mehr – mal weniger. Im Sommer ja – im Winter nein. Bei Sonne gern – im Regen ungern. Ich liebe dieses Spiel wirklich, sonst würd ich auch nicht so viel drüber schreiben und dafür tun. Aber ich treibe es nur so intensiv wie es meine subjektive Zeit zulässt. Gehetzt vom Kundentermin zur nächsten Startzeit bringt keinen was. Denn wenn du im Kopf terminlichen Stress – quasi Zeitmangel hast, dann hast du zu 100% kein

SCHÖNES SPIEL 🙂

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