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Vermutlich allein schon deshalb weil Golf so ein uraltes Spiel ist, beschäftige ich mich in diesem Blog immer wieder mit dem Thema Vergangenheit. So auch im April 2014, wo ich (zugegeben) ein wenig übertrieben meine eigene Jugend und Kindheit analysiert habe. Inzwischen bin ich um einiges älter, weiser und weißer geworden und so möchte ich 2017 das Thema ein wenig ernster angehen. Denn es gibt 2 Aussagen mit denen ich mir seit jeher immer etwas schwer tue:

  1. Früher war alles besser …
  2. Das haben wir immer so gemacht …

Behandeln wir die beiden Aussagen mal ordentlich der Reihe nach und ich beginne heute mit der vorherrschenden Meinung, dass früher angeblich alles besser war:

Eines der Probleme der Gegenwart ist ja, dass sie mit der wunderschönen Vergangenheit nicht wirklich mithalten kann. Früher haben sich die Nachbarn mehr umeinander gesorgt, es waren weniger Fremde da, es war alles billiger, wir hatten beim Furtgehen immer so viel Gaudi, es gab keinen Terror und islamische Vergewaltiger an jeder Hausecke und Schnee ist auch viel mehr gelegen.

Auch meine Jugend liegt schon mindestens 3/4 meines Lebens zurück und ich ertappe mich dabei meine Vergangenheit zu verklären. Natürlich war früher nicht alles besser und schöner! Natürlich haben wir beim Furtgehen nicht nur gelacht, sondern es war uns manchmal unglaublich fad. Natürlich hatten wir auch Nachbarn die Eigenbrötler waren und keine Spur von Hilfsbereitschaft zeigten. Und Schnee lag auch keiner – zumindest nicht zu Weihnachten. Aber es ist ein wenig so, dass wir uns von der Vergangenheit nur das merken was schön war oder noch schlimmer: wie wir es gerne gehabt hätten.

Ich nehme als Beispiel meine Zeit beim Bundesheer. Wenn ich daran zurückdenke, denke ich an schräge Kameraden und ein paar ziemlich unmilitärische Aktionen die wir da gemacht haben. So gesehen war meine Bundesheerzeit volle lustig. Und das ist die totale Verklärung, denn eigentlich waren es 8 Monate komplette Zeitverschwendung mit ein paar frustrierten Berufsoldaten, die uns das Leben schwer gemacht haben.

Noch ein Beispiel: Als ich vor ein paar Wochen mit Vater und Onkelz in Schweden zum Golfen war, haben die Herren an einem Abend von deren Kindheit und Jugend in den 50ern in Tirol berichtet. Natürlich konnten die 3 damals auch spielen. Aber sobald alt genug, mussten sie in den Stall, den Wald und auf die Felder zur harten Kinderarbeit – nach der Schule und in den Ferien. Heutzutage erschüttert man sich, wenn man sowas aus Bangladesch zu lesen bekommt. Im Österreich nach dem Krieg und Jahre später war Kinderarbeit nicht ungewöhnlich.

Zwei kleine Beispiele die zeigen sollen, dass wir uns von der Vergangenheit nicht zu leicht verklären lassen sollen. Es gibt inzwischen so viele Dinge, die ich heute nicht mehr missen möchte: Beispiel Grenzen! Allein wenn ich dran denke wie oft ich in Sillian, Kufstein oder am Steinpass von Zöllnern gefilzt wurde, da könnte ich einen eigenständigen historischen Filz-Blog eröffnen. Oder denkt mal an den Aufwand den man betreiben musste, um ein Photo zu schießen, zu entwickeln und dann zu sehen. Denkt mal an die relativ überschaubare Auswahl an Restaurants in eurer Jugend und daran wenn wir heute entscheiden müssen zum Inder oder doch zum Japaner zu gehen! Denkt an die vielen schweren Autounfälle in eurer Jugend, die Schlägereien in den Discos und Bierzelten. Denkt an die drogensüchtigen Kollegen von denen manche plötzlich verschwunden sind oder ihr am Friedhof verabschiedet habt. Die Woche drauf dann gleich nochmal ans Grab, weil der nächste sich mit dem Motorrad darennt hat.

Zeiten ändern sich! Es gibt Dinge die waren früher gut und heute schlecht und umgekehrt. Generell würde ich aber behaupten, dass wir hier in Mitteleuropa ziemlich auf die globale Butterseite des Lebens gefallen sind. Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde. Wir haben genug zu essen, viele Autos sind auf uns angemeldet und sozial Schwachen wird geholfen. Sozialschmarotzer werden durchgefüttert, der Rechtsstaat funktioniert recht ordentlich und die Betrüger werden entlarvt. Wir haben ausreichend Freizeit, die medizinische Versorgung ist hochwertigst, wir fahren in Urlaub, leisten uns teure Multimediakommunikationsgerätschaften und können getrost unseren Hobbys nachgehen.

Unsere Ur- und Großeltern konnten das noch nicht behaupten, denn zumindest die meinigen waren in einen grausigen Krieg verwickelt. Ich denke meine Altvorderen hätten in den 50er-Jahren recht wenig Verständnis dafür gehabt, wenn ich gesagt hätte, ich gehe am Samstag mal locker flockig 4 Stunden zum Golfen! Im Jahr 2008 haben sie dann nur mehr gesagt: Du also jetzt auch!

Jetzt habe ich das Problem, dass das ja größtenteils ein satirischer BLOG sein soll. Wenn ich dann aber über Krieg und Drogentote schreibe, dann ist das halt gar nicht so lustig. So möchte ich euch diese Woche dennoch nicht hängenden Kopfes stehen lassen und drum schreibe ich uns jetzt ein paar Aussagen, die ich im Internet gefunden habe, die sich mit dem Thema „Früher war alles besser“ auseinandersetzen:

  • Früher war alles besser! Vorgestern zum Beispiel, da war Sonntag!
  • Früher war alles besser! Heute kann man nicht mal mehr seine Kinder im Wald aussetzen. Haben alle eine Handy mit Navi!
  • Früher war alles besser! Vor 2 Minuten zum Beispiel, da hatte ich noch eine Tafel Schokolade!
  • Früher war alles besser! Da hat man anständig per SMS Schluss gemacht und nicht einfach seinen Beziehungsstatus auf Facebook geändert!
  • Früher hat man zur DAB-Handbewegung noch ordentlich „Heil Hitler“ gesagt!
  • Früher war alles besser, denn jeder von uns kannte Rosis Telephonnummer!
  • Früher war alles leichter! Ich zum Beispiel!

und nicht vergessen:

  • Früher war sogar die Zukunft besser!

SCHÖNES SPIEL 🙂

Teil 2 dann in einer Woche …

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