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Nur wenige haben noch nicht von „RyanAir“ gehört. RyanAir ist der Inbegriff der Billigfluglinien – quasi die Mutter aller Schnäppchenflieger. Ehemals war Fliegen ein absoluter Luxus – heute fliegt man von London nach Rom für € 19,90 – so zumindest das Angebot oder der Ab-Preis.

ryanair

Wie ist das möglich? Es gibt dafür 2 Wege! Einerseits sparen die LowCost-Airlines rigoros. Das beginnt bei der Nicht-Beachtung von Fluggastrechten, geht über Lohndumping, Scheinselbstständigkeit und fehlende Sozialleistungen für Mitarbeiter, bis hin zur schier genialen Idee einen kleineren billigeren Provinz-Flughafen anzufliegen, als den jeweils teuren etablierten Haupstadtflughafen. Landet man halt in Rom-Ciampino anstatt in Rom-Fiumicino. Auf die für Flugäste schlechtere Anbindung an ein öffentliches Verkehrsnetz wird hier liebend verzichtet. Rom bleibt Rom!

Der zweite Weg dennoch als Billigfluglinie Geld zu verdienen sind „Zusatzkosten“. Mag der Grundpreis für den Flug London-Rom noch billig klingen, so wird dieser durch diverse Zuschläge zu Gunsten der Low-Cost-Airline aufgefettet. So verkaufen die Unternehmen neben dem Ticket teure intransparente Zusatzleistungen. Um € 19,90 pro Ticket fliegt im Prinzip nur dein Körper von London nach Rom. Alles andere, was früher im Ticketpreis inbegriffen war, kostet extra. Das beginnt schon beim Gepäck. Nur das Handgepäck ist frei, wobei einige Billigairlines mittlerweile auch hier schon Gebühren erheben. Wer einen Koffer aufgeben will, zahlt in jedem Fall extra. Wenn das Handgepäck nicht den streng kontrollierten Abmessungen entspricht, zahlt einen Aufpreis. Dazu Kosten für Sitzplatzreservierungen, Essen, Getränke und andere Leistungen.

Zugegeben, Billigfluglinien haben den Flugmarkt revolutioniert. Inzwischen haben sich die großen Fluglinien an den Markt anpassen müssen und sind vom hohen (teuren) Ross herabgestiegen. Die die wirtschaftlich diese Revolution überlebt haben, punkten heute mit Pünktlichkeit, Flexibilität, Korrektheit, Qualität und Service! Der Kunde entscheidet dann, ob Preis oder Leistung für ihn persönlich wichtiger sind.

Auch im Golfsport hat es vor Jahren diese Revolution gegeben. Golfclubs hatten mit teuren Einschreibegebühren hohe Einstiegshürden. So konnten die Betuchteren der Gesellschaft unter ihresgleichen bleiben – passend zum Zeitpunkt als der ehemals „weiße“ Sport Tennis sich öffnete und einem breiteren Publikum zugänglich wurde. Tennisclubs verloren durch deren Öffnung eine Vielzahl an Mitgliedern. Heute halten sich nur mehr jene über Wasser, die hochengagierte Einzelpersonen in den entscheidenden Positionen haben und oft weil man finanziell kommunal unterstützt wird. Anderenorts sind Tennisplätze unbespielte Freiflächen, die sogar dem Wohnungsbau zu Opfer fallen und in Zell am See dem Ferry-Porsche-Congress-Centrum [Grüsse an dieser Stelle an die Nicole Heinze – liest die eigentlich diesen Blog?]

Viele Tennisspieler sind (aus unterschiedlichen Gründen) zum Golf gewechselt. Es gibt den Spruch: „Mit dem Alter werden die bespielten Bälle kleiner.“ Aber lassen wir das mit den Bällen mal so im Raum stehen! Jedenfalls sind die Einstiegshürden um die Jahrtausendwende gefallen. Wenige Golfclubs in Österreich verlangen heute noch Eintrittgelder. Man will – oder besser gesagt – man braucht neue Mitglieder! Der Betrieb eines Golfplatzes ist teuer. Jetzt gäbe es zwei Methoden wie wir das – frei nach RyanAir – finanzieren:

A. Preisdumping: damit das funktioniert, braucht man einerseits Masse und andererseits spart man an allen Ecken und Kanten. Bei der Pflege, beim Putzen, bei den Mitarbeitern, beim Service und in der Qualität. Dann bekommt man viele Mitgleder und die Verwaltung wird gestrafft – der Platz ist aber schlecht, weil der verursacht ungemütliche Kosten.

B. Man könnte RyanAir theoretisch aber auch in seinen Zusatzkosten kopieren. Sprich ein billiger Grundpreis und dann für jeden Quatsch zahlen lassen: Parkplatzgebühr, Abschlaggebühr, Halfwaygebühr, Weggegebühr, Bodenabnutzgebühr, Rangegebühr, Grüngebühr (nicht zu verwechseln mit „Greenfee“) usw.

Ob A oder B, es gibt im Golf schon genügend Anzeichen, die der Kunde irgendwann nicht mehr akzeptiert. Und genau da sollte man nach meinem betriebswirtschaftlich Verständnis ansetzen. Jene die sich aggressiv billig sparen haben vielleicht einen kurzfristigen Erfolg, langfristig haben sie aber keine Chance. Problematisch: sie haben mit diesem kurz gedachten Ansatz die Möglichkeit den Markt als Ganzes kaputt zu machen.

George A. Akerlof us-amerikanischer Universitätsprofessor und Nobelpreisträger gilt als Kritiker der neoliberalen Theorie effizienter Märkte. In seinem berühmtesten Aufsatz „The Market for Lemons“ legte er 1970 am Beispiel des Marktes für Gebrauchtwagen dar, dass es in letzter Instanz zu Marktversagen kommen kann, wenn Käufer und Verkäufer ungleichen Zugang zu Information haben. Der Kaufinteressent kann nicht zwischen minderwertigen Angeboten („lemons“) und höherwertigen („peaches“) unterscheiden und ist demnach nicht bereit, angemessene Preise für bessere Wagen zu zahlen. Deren Wagen-Besitzer zögern daher sie überhaupt anzubieten und verweigern sich so dem Markt.

Umgelegt auf den Golfsport verlangen Kunden die beste Qualität zum besten Preis und erkennen schwer, dass dies irgendwann nicht mehr möglich ist. Auch wenn wir noch Fehler machen und viel Arbeit vor uns liegt, wir möchten bei uns im Golfpark Böhmerwald diesen ehemals eingeschlagenen Weg umkehren! Sollen andere versuchen RyanGolf und „Lemons“ anzubieten. Wir wollen „Peaches“ anbieten und zwar für einen für beide Parteien gerechten Preis!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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