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Mal in eine andere Rolle schlüpfen, einmal so sein, wie man sonst nicht ist. Das ist der Grund, warum wir Menschen uns seit Jahrhunderten verkleiden. Wer sonst eher schüchtern und zurückhaltend ist, dreht als Superheld vielleicht mal richtig auf. Oft wählt man ein Kostüm aus, das das Gegenteil von dem ist, wie man im realen Leben ist. Aber wir verkleiden uns gerne auch als Wesen, die uns Angst machen: so zum Beispiel an Halloween. Als Hexen, Geister und Skelette möchten wir dann andere erschrecken. Sich verkleiden und jemand anderes sein, das gibt es nicht erst seit der Erfindung der bundesdeutschen Rosenmontagszüge. Schon vor vielen tausenden von Jahren verkleideten sich die Menschen. Sie trugen Masken und Kostüme für bestimmte Rituale und Ereignisse. Das weiß ich als ehemalig praktizierender „Kramperl“ (Pinzgauer Schiachpercht) selbst am besten.

Psychologen behaupten, dass das Verkleiden wichtig ist. Sich zu verkleiden heißt, auf Probe zu leben. Kinder können Dinge ausprobieren, wenn sie spielen. Schauspieler tun dies auch – sie schlüpfen in eine Rolle. Die meisten Erwachsenen aber können im Real Life nicht einfach ausbrechen. Wenn wir Menschen in eine andere Rolle schlüpfen, können wir Dinge tun, die wir sonst nicht tun würden. Wir sind plötzlich ein Clown, ein Polizist, da Batman himself uvm.. Wir Menschen können dann wenigstens ein paar Stunden fühlen, wie es ist, ein anderer zu sein – ich denke hier auch an die diversen Rollenspiele und Verkleidungen im Bereich der Sexualität.

Psychologen sagen auch, dass das Verkleiden für Kinder besonders wichtig ist. Die Kostüme verleihen ihnen eine gewisse Macht. Sind sie sonst zu klein oder dürfen nicht mitentscheiden: Sobald verkleidet kann die Prinzessin andere herumkommandieren. Der Polizist kann andere festnehmen und ins Gefängnis werfen. Kinder macht es selbstbewusster, wenn sie in andere Rollen schlüpfen und sich so ausprobieren können. Sie tun dies nicht nur an Fasching. Indem sie spielen, erfahren sie, wie es ist, ein Junge statt ein Mädchen oder – ganz banal – groß und stark statt klein und schwach zu sein.

Wenn ich mich an meine eigene Kindheit erinnere, dann war es üblich, dass man sich an Fasching verkleidet hat. Außerhalb der Faschingszeit, waren Verkleidungen eher spielerisch („Cowboy und Indianer„) oder wie oben erwähnt beim Kramupsrummel Anfang Dezember. Inzwischen gebe ich zu, dass ich ein rechter Faschingsmuffel geworden bin und ich alles was mit Verkleidung zu tun hat sogar meide. In manchen Gegenden Österreichs wird aber der Fasching noch richtig ausgiebig zelebriert. Mit Faschingsumzug, Maskenball, verkleidet am Arbeitsplatz und all den anderen Ritualen der fünften Jahreszeit. Lustig sehen die Menschen dabei zwar nicht immer aus. Vor allem finde ich es selbst dann auch nicht wirklich lustig, wenn mir beim Billa die Pocahontas 20 Deka Bergbaron aufschneidet und ich bei einem unförmigen Spiderman bei der Shell meinen Diesel bezahle.

Golfer stehen in dem Vorurteil, ohnehin bei der Kleiderwahl ein wenig radikal zu sein. Es hat sich im Gegensatz zu früher zwar durchaus gebessert, aber es gibt wenige Sportarten, wo man nach wie vor die Farbe der Hose, der Socken, des Handschuhs, des Polo-Shirts, der Schuhe, des Golfbags und des Baseballkäppies so wild durcheinandermixen kann, wie beim Golf. Dafür laufen wir Golfer nicht wie wandelnde private Werbebanner rum wie eine Vielzahl der aktuell so angesagten Strassenradfahrer und Mountainbiker.

Trotzdem wir Golfer also von Haus aus schon farblich schwer Richtung Karneval tendieren, versuchen wir immer mal wieder in noch ausgefallenere Klamotten zu schlüpfen. So entstehen dann

  • Dirndl & Lederhosen-Turniere wo die Spieler in Tracht spielen müssen,
  • Scottish Open wo im karierten Kilt abgeschlagen wird,
  • Golf verkehrt-Turniere wo Männlein und Weiblein Kleidung tauschen und
  • Turniere die unter ein bestimmtes Motto gestellt werden: wie Die 80er, Wild West oder die K&K-Trophy

Etwas ungelenk schlagen wir dann in Lederhose den Ball. Das Dirndl und noch mehr der schottische Kilt stört mächtig beim Putten. Das Golf an sich gerät dabei aber in den Hintergrund und das Ergebnis ist definitiv nicht relevant. Leider gibt es aber immer mehr private Golfer die die Lust auf Verkleidung und Gaudi-Turniere verloren haben. Da wird leider jede Runde zum persönlichen Wettkampf. Nicht verwechseln, auch ich mag den sportlichen Wettkampf, auch ich bin durchaus ehrgeizig, aber ein paar Mal im Jahr sollte man sich überlegen, ob eine Verkleidung – ein Ausbrechen aus dem Alltag – nicht auch was Gutes hat!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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