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Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als Tennis das sportlich-gesellschaftliche Maß der Dinge war. Die „Hautvolee“ traf sich sooft es ging am Tennisplatz und zu Hause auf FS1 sah man sich stundenlang Spiele von Ivan Lendl gegen Michael Chang oder Mats Wilander gegen Horst „Hooorsti“ Skoff an. Dominic Thiem ist ein kleiner Lichtblick aber er wird es nicht schaffen, dass wir wieder in Massen vor dem Fernseher mit ihm zittern.

Egal ob im Pariser Roland Garros oder am Tennisplatz in Piesendorf herrschte während des Ballwechsels absolute Ruhe auf den Zuschauerrängen. Wenn dem nicht so war, kam ein „Quiet please“ vom Schiri-Turm. Einzig das Gestöhne von der Monica Seles hat ein wenig Akustik in die Sache gebracht.

Doch es gab noch ein paar externe Störquellen: so flogen in ca. 2minütigem Rhythmus über das New Yorker Tennisstadion von Flushing Meadows die startenden Flieger vom JFK Airport – das war schon im Fernsehen so laut, dass einem die Spieler leid taten die live vor Ort waren. Beim Tennisstadion in Kitzbühel fährt die Westbahn vorbei. Besser gesagt, die Westbahnstrecke verläuft quer durchs Stadion – zumindest hat man lautstärkenmässig das Gefühl, denn es war so laut, dass die Spieler warten mussten, bis der Zug vorbei war; was bei einem Güterzug schonmal 3 bis 4 Minuten dauern konnte.

Tennisspieler sind oder zumindest waren sehr sensibel wenn es um akustische Störquellen geht. Doch was sind in diesem Fall Tennisspieler gegen uns Golfer. Bei einem Golfer sind nicht nur der Meatus acusticus externus und sein angeschlossener Kollege internus betroffen, sondern gleich auch noch alle anderen menschlichen Sinne mit dazu!

Ein Golfer – unabhängig seiner Spielstärke – muss sich dermaßen auf seinen Schlag konzentrieren, dass um ihn herum für einige Sekunden die Umwelt in Ehrfurcht erstarren muss. Diskutierende Stimmen oben im Clubhaus, ein leises Hüsteln, ein vorbeifahrendes Auto, Hundegebell, das Traktor-Mähgeräusch des Greenkeepers am Nachbargrün oder der aufgeregte Flügelschlag eines Schmetterlings im benachbarten Australien – macht jegliche Konzentration zunichte. Der Golfer muss seine Schlag jäh unterbrechen oder wenn schon geschehen, hat er im Nu eine ideale Ausrede für den logischerweise missglückten Schlag ins Gebüsch parat.

Daher versuchen wir Golfer alle akustischen, olfaktorischen, visuellen und haptischen Störquellen zu vermeiden. Einzig gustatorische Reize werden akzeptiert! So ist Golf eine der wenigen Sportarten wo man während der Runde eine Wurstsemmel essen, eine Bier trinken oder sogar eine Zigarre rauchen kann, ohne dass sich jemand daran stört. Versuch mal die Tour de France mit Bier und Zigarette zu gewinnen : das wäre dann echtes Anti-Doping!

Aber zurück zu den geplagten 4 verbleibenden Sinnen, die uns Golfern das Leben so schwer machen. Tag für Tag nimmt der Mensch Millionen von Sinneseindrücken wahr – die meisten davon übrigens nur unbewusst. Als Golfer öffnest du scheinbar deine Wahrnehmungskanäle sperrangelweit und du bekommst eine bewusste Reizüberflutung durch unbewusste Störquellen. Diese gilt es auszuschalten, um das eigene Spiel zu perfektionieren. „Innehalten“ lautet die Devise – zumindest solange man selbst an der Reihe ist. Denn spätestens wenn man selbst schon geschlagen hat, vergisst gemeine Golfer auf sämtliche Konzentrationsschwächen des Mitspielers und fängt damit an mit den Schlägern in der Golftasche rumzuklappern oder den Klettverschluss am Handschuh mit einem ohrenbetäubenden „Rrratsch“ aufzureißen. Frei nach dem Motto: jeder ist sich selbst der nächste!

Ich persönlich bin da etwas schmerzbefreit und kann über die Sensibelchen am Golfpaltz nur Schmunzeln. Mich stört nur ein Geräusch am Golfplatz so richtig: „Handyklingeln“. Dazu muss man wissen, dass Handys am Golfplatz grundsätzlich nicht gerne gesehen sind. Aber primär nicht des Klingelns wegen, sondern weil Golf ein Spiel ist, wo die Kommunikation zwischen den Spielern gefördert werden soll und natürlich sollte uns allen so langsam aber sicher bewusst geworden sein, dass Smartphones die reale Kommunikation eher behindern denn fördern. Ich bin ein digital versautes Stück Mensch und das Smartphone ist fast 24 Stunden mein Begleiter. Aber ich habe mir angewöhnt mein Handy beim Golf nicht mitzunehmen oder zumindest auf Flugmodus zu schalten. Kein Kopfhörer im Ohr für Musik, keine Aufzeichnungen wieviele Kilometer ich gerade gegangen bin, kein „Pling“ aus den unterschiedlichen Whatsapp-Gruppen: das sind 4 Stunden Luxus – aktuell etwa zwei- bis dreimal die Woche. Meine Konzentration liegt auf dem Ball, dem Schlag, dem Schwung, meinem Spiel und meinem Mitspieler!

Für viele gestresste und Burnout-gefährdete Manager wäre Golf eine ideale Ausgleichssportart. Es ist eine genialer Ort die Probleme im Job auszublenden oder familiäre Streitigkeiten zumindest vorübergehend zu vergessen. Wer seine Probleme auf den Golfplatz bringt, wird jäh scheitern. Der Golfplatz ist eine energetische Ladestation! Damit die funktioniert, sollte man aber das Handy und vielleicht auch mal die kruden Gedanken ausschalten. Dann wird Golf ein richtig

SCHÖNES SPIEL 🙂

P.S.: Auf der Facebook-Seite meines Golfclubs gab es am 23.5.2016 um 17:52 Uhr eine kleine Diskussion über: „Sind Hendis am Golfplatz erlaubt?“ Das doppeldeutige Wortspiel schien nicht bei jedem anzukommen. Soviel als Abschluss zu der Diskussionauf Facebook: Diese Hendis sind erlaubt!

P.P.S.: Ausgerechnet heute hatte ich mein ultimatives Lärm-Huhn-Golf-Erlebnis. Bahn 18 des wunderschönen Golfclub Klopeinersee-Südkärnten: 2 Hähne die sich unmittelbar neben dem Abschlag um 7 Hühner bemühen. Dagegen ist der New Yorker Time Square eine Oase der Ruhe!

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