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Wenn man in einem Cafe-Haus sitzt und am Nachbartisch haben 2 Ärzte Platz genommen, die sich über die letzte gemeinsame Operation unterhalten, so sitzt man als viel zu neugieriger Lauscher mit spitzen Ohren da und versteht genau etwas von einem „Bahnhof der da in einem spanischen Dorf zu liegen scheint“. Tauscht man nach einer halben Stunde die zwei Ärzte gegen zwei Java-Programmierer aus, dann gehts dir ähnlich, ausser das obiger Bahnhof dann in ein ungarisches Dorf gewechselt hat.

Bei beiden Gruppen versteht man so gut wie gar nix und wir lernen: jede Berufsgruppe hat ihren eigenen Jargon! Selbiges gilt aber nicht nur für den Beruf, sondern auch für das einem liebste Hobby. Neben Golf ist das bei mir immer noch das Mountainbiken. Unter anderem trifft sich jedes Jahr eine kleine Gruppe aus Familien- und Freunderlwirtschaft und entfleucht mit mir gemeinsam für eine frühlingshafte Woche dem witterungsunsicheren Nordalpenraum in Richtung Mallorca, Kärnten, Slowenien oder wie heuer nach Kreta. Wir wohnen dann immer in einem für Biker zugeschnittenen Hotel mit integriertem Radverleih und Tourenvorschlägen wahlweise mit oder ohne Guide. Der Rest des Hotels ist – wie man selbst – ebenfalls im „Radmodus“ und hat ähnliche Antriebsgründe temporär in den Süden zu migrieren: Training, Sonnenanbetung, Bewegungsdrang, Saisonkoller oder Hinauswurf vom daheimgebliebenen Lebensgefährt. Obwohl bei mir nur die ersten drei Punkte zutreffen!

Soweit so normal. Was sich aber da allabendlich an der Hotelbar, beim Frühstückstisch, am Pool oder sogar während dem Radfahren abspielt ist sehr bemerkenswert. Sämtliche Gespräche scheinen sich um das Thema Radfahren zu drehen: welche Dimension haben deine Reifen? An die 29er muss ich mich erst gewöhnen! Bergab ist ein Fully schon ein anderes Gefühl – vor allem wenn du einen Autosattel hast und die Hydraulik in mehreren Stufen anknipsen kannst. Ausgestattet ist das gemeine radfahrende Volk inzwischen wie wenn man bei Olympia antritt – die gekühlte Helme, Navigations-Hochleistungs-Minicomputer, in Mehrkammern aufgeteilte Camelpacks und schweissabweisende gel-gefüllte Handschuhe. Den Möglichkeiten und natürlich auch dem Preis sind keine Grenzen gesetzt! Ich selbst bin scheinbar etwas konservativ, denn ich brauche den ganzen Schnick-Schnack so ganz und gar nicht. Eine ordentliche Hose, ein ordentlicher Sattel und eine Trinkflasche und ich komme – wenn auch langsam – auf die meisten minoischen Berge hoch. Und unterhalten mag ich mich eher über alles andere als über diesen Rad-Technik-Quatsch.

Und in so einem Urlaub rotten sich die „Techniker“ und die „Normalsterblichen“ automatisch in zwei Gruppen zusammen. Vor allem am Abend an der Hotelbar bleiben zum Schluss die über, die nicht schon am nächsten Tag um 7:25 Uhr beim Frühstück sitzen und fünf Minuten vor Eröffnung des Buffets auf die kohlenhydratische Nahrung gieren! An der Hotelbar wird dann über die nicht mehr Anwesenden gelästert, die Qualität des Gin Tonic besprochen und der Gluteus Maximus der Bardame analysiert.

Selbiges gilt auch beim Golf! Da kann man sich stundenlang über die neuesten Schläger unterhalten, über Schwungtechnik, über den etwas zu hohen Rasen am 15er Grün und den schwierigen Bunker an der 7. Aussenstehenden Nicht-Golfern ist das völlig suspekt, denn man versteht so gut wie gar nicht, was dieses ewige Rumdiskutieren soll und vor allem bringt! Wie bei den Radfahrern gibt es auch beim Golf zwei unterschiedliche Gruppen: die Schwung-Schlag-Techniker und die die am Abend an der Bar des Clublokals über den sexy Hintern der Kellnerin diskutieren. Witziger weise ist diese Art der Diskussion für jeden (Mann) verständlich – für Radfahrer, für Ärzte, für Java-Programmierer und natürlich auch für Golfer!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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