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Auch wenn es unterschiedliche Formen von Teamspielen gibt, Golf ist ein Einzelsport weil man ja nicht gleichzeitig mit einem Schläger schwingt. Ein Einzelsportler ist im Gegensatz von Fussballmannschaften, Synchronturmspringern oder einem 8er-Ruderboot halt immer für sich selbst verantwortlich. Unabhängig ob er gewinnt oder verliert. Beim Fußball kannst dich auf den indisponierten Goalie rausreden der bestenfalls als Fliegenfänger dient, beim Synchronturmspringen auf den Kollegen der am 5-Meter-Brett zu spät abgesprungen ist und beim Ruder-Achter auf den Schlagmann der sich im Takt vertrommelt hat.

Tiere sind auch eine gute Ausrede! Wenn es dich beim Voltigieren vom Pferd prackt, sich das Kamel beim Kamelrennen in der Oase verläuft oder im Spezialitätenrestaurant in Sevilla die Stierhoden diesmal etwas kleiner ausfallen, weil beim letzten Stierkampf ausnahmsweise mal der Matator verloren hat.

Aber auf wen bitte will sich die Speerwerferin rausreden die kurz vorm Abwurf über die eigenen Kakaosprudler stolpert? Auf wen will der Schwimmer sauer sein, wenn er gegen den Beckenrand kracht, statt zu wenden? Und der Helmut Höflehner hatte auf die Schnelle auch niemanden gefunden, den er dafür verantwortlich machen konnte, als er sich 1991 als Top-Favorit beim WM-Abfahrtslauf 1 Meter nach dem Starthäusl am Hinterglemmer Zwölferkogel selbst auf die Ski gestiegen ist.

Golf wäre auch so ein Einzelsport und eigentlich hast nur eine einzige Ausrede – nämlich dich selbst. Aber wenn Golfer etwas richtig gut können, dann ist es Ausreden zu (er)finden. Beispiele gefällig?

  • Der Rasen ist zu hoch!
  • Der Wind ist zu stark!
  • Die Umgebung zu laut!
  • Der Vorderflight zu langsam!
  • Die Pause an der Halfwaystation zu lang!
  • Der Boden zu uneben!
  • Das Birdiebook veraltet!
  • Der Garmin-Entfernungsmesser defekt!

Alles legitim – vor allem wenn man weiss wie komplex der Bewegungsablauf im Golf im Gegensatz zu Nordic Walking oder Radfahren ist. Wir Golfer lernen aber mit der Zeit auch mit unseren Ausreden und denen der anderen umzugehen.

Wo man aber irgendwann an die Grenzen des Gehirns stößt, ist dann wenn jeder seine individuellen Vorlieben am Platz umgesetzt haben möchte. Der eine will breite Fairways, der andere will schmale Fairways. Der eine will größere Bunker der andere weniger Bunker. Die eine will Papiertücher in der Toilette der Halfwaystation an Loch 9, der nächste wünscht sich Stoffhandtücher, die zeitnah aus unerfindlichen Gründen verschwinden und wenn dann ein elektrischer Handtrockner angeschafft wird, dann stört der Lärm den das Gebläse macht, den der grad am 10er-Abschlag steht. Womit wir der obigen Bullet-Liste noch einen Ausredenpunkt hinzufügen können.

Richtig kompliziert wird es dann, wenn ein einzelner Golfer ins Sekretariat kommt und dort einen Wunsch für die Allgemeinheit äußert. Grundsätzlich ja löblich – problematisch wenns ein Wunsch ist, den nur diese eine Person hat, aber die gesamten Golfer am Platz betrifft. Der Sebastian Vettl kann ja auch nicht in Monaco dem Formel1-Starter sagen: „Lieber Jean Jaques, nur zur Info, ich fahr heute mal in die andere Richtung!“

Ich plädiere hier und heute dafür, dass wir Golfer einfach akzeptieren müssen, mal gute und mal schlechte Tage zu haben. Mal einen guten Schlag zu haben und dann wieder einen rechten Kehricht zu fabrizieren. Und wenn wir alle akzeptieren, dass wir nicht die einzigen am Platz sind, dann ist Golf ein

SCHÖNES SPIEL 🙂

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