Ich kann nicht sagen was es ist und ich kann noch nicht sagen warum es so ist. Auch kann ich nicht sagen wann es passiert ist, ich spüre nur: irgendwas hat sich in meinem Golf verändert! Es war ein schleichender Prozess der da letztes Jahr und heuer stattgefunden hat, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ich anders Golfe als früher, besser nämlich.

Jetzt kann man natürlich reflexartig sagen: eh logen, dass du irgendwann besser wirst – so viel wie du spielst. Aber nein, das ist es nicht! Es hat mit der Einstellung zu tun, mit der ich da rausgehe. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll: ich bin irgendwie souveräner als früher.

Das hat jetzt nix mit dem Präsidentenamt zu tun, nein – sondern eher mit der Art mit der ich mich auf dem Platz bewege. Mir scheinen die Teiche nicht mehr unüberwindbar. Bunker sind zwar lästig – aber kein Horror. Ein Ball im Out und der korrelierende Strafschlag sind blöd, aber nicht so, dass man gleich an Selbstmord denkt. Kurz geratene Abschläge kommentiere ich mit: „Wann ich meinen Annäherungsschlag mache, bleibt gefälligst mir überlassen“ uvm.

Noch auffälliger wenn Positives passiert: ein Birdie hat mich früher am Grün den Jackson’schen Moonwalk tanzen lassen – jetzt bestätige ich selbiges mit einem Lächeln. Green in Regulation (GiR) hingegen wird inzwischen schweigend zur Kenntnis genommen, auch wenn mein durchschnittlich gespieltes Standardscore einer Bahn immer noch nicht Par sondern 1über sprich „Bogie“ ist. Ein guter Putt ist gut – ein schlechter Putt kann auch mal passieren. Keine Ahnung: aber mir scheint ich bin „cooler“ geworden – zumindest am Golfplatz.

In letzter Zeit sind einige unglaubliche Dinge in meinem Leben passiert: Positives – wie Negatives. Neue Menschen sind in mein Leben getreten, Menschen mit denen man den eigenen Horizont erweitern kann. Alte Freunde tauchen unerwartet wieder auf und bestehende Freunde verfestigen die Verbindung. Negativ ist der Tod von meinem Hopfgartenopa, dem meine Familie so unglaublich viel zu verdanken hat. Schwer haben mich die persönlichen Untergriffe und Anfeindungen gegen meine Person getroffen, weil ich sowas nicht gewohnt bin. Ich habe nicht geglaubt, dass halbwegs normale Menschen zu soetwas fähig sind. Aber ok – ich speichere das unter der Rubrik „Lebenserfahrung“ ab und unter „Menschen, die es nicht wert sind, dass ich mich mit denen abgebe“.

Im Golf sagt man, dass wenn du die Dinge die außerhalb passieren mit auf den Golfplatz bringst, Du definitiv kein gutes Golf spielen kannst. Weil deine Gedanken sind noch immer im überlasteten Büro, bei der nörgelnden Ehefrau, den keifenden Kindern oder weil der Hund das Lenkrad zerbissen hat. Geistige Ablenkung – quasi in Reinkultur!

Aber wie gesagt, ich bleibe bei Fehlern und Missgeschicken ruhig und gelassen. Ich ärgere mich nicht, ich fluche nicht, werfe gar Schläger oder mich selbst ins Wasser. Ich sehe mein Golfspiel und den Golfplatz an sich scheinbar mit anderen Augen: emotionsloser! Und seit ich das mache, spiele ich besser und konstanter denn je. Kann es sein, dass die persönlichen Angriffe mich mehr stärken denn schwächen? Kann es sein, dass ich menschlich daran wachse? Wenn das so weitergeht, werde ich vielleicht noch ein richtig guter Golfer! Rory McIlroy im fernen Nordirland sollte sich schon jetzt warm anziehen!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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