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Es gibt Menschen die sind von sich selbst so dermaßen überzeugt, in allen Belangen der Weisheit letzter Schluss oder gleich die Krone der Schöpfung zu sein. Egal worüber diskutiert wird, egal welches Problem zu lösen wäre oder wie man etwas umsetzt, er – der „Inhaber der Weisheit“ – hat als einziger die Fähigkeit und vor allem immer Recht.

Irgendwann merkt man als Außenstehender es am besten daran, dass umliegende Personen gar nicht mehr mit der „gefühlten Krone der Schöpfung“ sprechen oder sie generell meiden. Dummerweise glaubt besagter Geistesriese dann umso mehr, dass er alles weiß. Weil ja die Widerrede fehlt. Derweil will nur keiner mehr mit ihm reden. Dann sitzt er im Elfenbeinturm, blickt hinab auf das unfähige Volk und schüttelt beratungsresisdent den Kopf.

Wenn wir ein bissi mehr Mumm in den Knochen hätten, dann müssten wir zu solchen Personen hingehen und es denen direkt ins Gesicht sagen, wie sehr sie nerven und wie sehr sie von der Umwelt gemieden, ausgelacht oder wenns hart kommt verachtet werden. Aber das traut man sich halt doch nicht, zumindest wenn man eine halbwegs herzeigbare Erziehung genossen hat.

Am schlimmsten sind diese Personen aber dann, wenn sie eine Branche kommentieren, die sie nur am Rand kennengelernt haben. Ein Beispiel: 99,36 % der Leser dieses Blogs (die Zahl hab ich übrigens von der NSA) haben schon einmal in einem Hotel übernachtet – manche wie ich auch etwas öfter im Jahr. Ihr und so auch ich würde es mir nicht zutrauen, von heute auf morgen ein Hotel zu leiten und das obwohl ich die entsprechende Ausbildung und auch etwas Erfahrung hätte. Auch kann ich keine Straßen planen, nur weil ich 70.000 km im Jahr im Auto sitze und ich kann auch keine Arztpraxis führen geschweige denn Menschen behandeln, nur weil ich einmal im Quartal selbst zum Arzt gehe. Das alles schaffen nur Menschen, die wie oben beschrieben, der Weisheit letzter Schluss sind. Die sagen dem Arzt genau welche Krankheit sie haben, die jammern bei den Politikern über die katastrophale Straßensituation und sie stehen wutschnaubend an der Rezeption eines kleinen Landhotels und schimpfen über den benachbarten Hahn, der sich heute morgen erdreistet hat zu krähen. In allen drei Fälle kommt der Zusatz: sie sind ja unfähig – sprich – ich weiß genau wie man es richtig macht.

Ihr seht schon, so sind wir nicht alle! Es gibt aber dennoch ein System, dass jeder Dodl kann: Manager eines Golfclubs! Denn jeder der ein paar Jahre Golf spielt, weiß genau wie das in einem Golfclub läuft und wie das alles zusammenhängt. Er weiß wieviel eine Tonne Bunker-Sand kostet und welche Qualität man wo und wann kauft. Der weiß welche Vorgaben der nationale Golfverband einem für die Vereinsstatuten vorschreibt, der weiß wie man Turniere ausschreibt und ordnungsgemäß abwickelt, der weiß wie man Pachtverträge mit dem Restaurantbetreiber verhandelt, der weiß wie man kostengünstig rechtskonforme Newsletter an die Mitglieder versendet, der weiß die Verfügbarkeiten aller Trainer, hält emotionale Reden bei den Siegerehrungen, er weiß wie der Defibrilator im Clubheim funktioniert, er kennt alle Mitglieder beim Vornamen auch wenn sie am Telephon anrufen und sich nicht vorstellen. Auch weiß er auswendig welches Mitglied aus unterschiedlichen Gründen mit wem niemals bei einem Turnier in ein- und demselben Flight gelost werden darf und er schafft den 24h-Spagat zwischen sportlichem Single-Handicapper und genussvollen Greenfee-Anfänger – auch im Winter.

Seit ich etwas mehr Einblick in die Arbeit und internen Abläufe eines Golfplatzes habe, denke ich mir jeden Tag, wie komplex das ganze System doch ist. Ich würde es mir nicht anmaßen morgen einen Golfplatz zu übernehmen und diesen auch noch positiv zu führen. Einen Golfplatz zu managen ist nämlich das Gegenteil von Dodl-Arbeit!

Aus historischen Gründen spielen viele Unternehmer, Abteilungsleiter, Ärzte, Anwälte, Hoteldirektoren usw. Golf. Menschen die es gewohnt sind zu führen, zu entscheiden und zu organisieren. Ein Großteil dieser Personen mag in der eigenen Branche auch erfolgreich sein. Aber wir alle sollten es uns abschminken zu glauben, dass nur weil man 20 Jahre auf verschiedenen Golfplätzen der Welt gespielt hat, wir der Weisheit letzter Schluss in Sachen Golfmanagement sind. Es gibt nämlich auch Elfenbeintürme für Golfer.

SCHÖNES SPIEL 🙂

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