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Wenn wir etwas schon früh lernen, dann ist es die Tatsache, dass Schotten angeblich ein geiziges Volk sind. Dieses Vorurteil ist natürlich sinnfrei, dennoch werden wir von diesen Vorurteilen geprägt. Polen stehlen Autos, Engländer können nicht kochen, Russen saufen Tag und Nacht Wodka, US-Amerikaner tragen alle Waffen, Deutsche sind humorbefreit und Kenianer laufen Marathon. Das Blöde an diesen Aussagen ist aber, dass alle 5 Polen – die ich kenne – nicht mal im Leben daran denken würden Autos zu stehlen. Auch kenne ich 3 Russen, die bei den Besprechungen immer „stilles Wasser“ trinken – weil gesundheitsbewusste Anti-Alkoholiker. Ich kenne sogar eine Engländerin, bei der ich jeden Tag sofort zum Essen hingehen würde. Natürlich trägt die Masse der Amerikaner keine Waffe, natürlich gibt es (vereinzelt) Deutsche die witzig sind und übergewichtige Kenianer die alles mit dem Auto machen, gibt es auch.

Die wenigsten Österreicher wissen übrigens was man über uns im Ausland denkt! Grundsätzlich gelten wir als ein wenig rückständig und hinterwäldlerisch und wir gelten – trotz Conchita Wurst – als tendenziell homophob und – wegen unserer Historie mit dem Adolf, dem Jörg und dem HC – als fremdenfeindlich. Dafür wird uns eine künstlerische und eine (winter)sportliche Ader nachgesagt, die manchmal in Größenwahn ausschlägt, weil der Österreicher noch immer glaubt, der Nabel der Welt zu sein. Der größte Irrglaube der Österreicher über uns selbst ist aber, dass wir von uns glauben „gesellig“ zu sein. Als gesellig gelten vielleicht Holländer, aber sicher nicht wir Austriaken. In Wirklichkeit gelten wir aber bei anderen Völkern als jähzornige Grantler und leicht aufbrausend.

Jetzt mag der eine oder andere geschätzte Leser sich reflexartig fragen: ich ein fremdenfeindlicher hinterwäldlerischer Grantler? Sicha nid! Fohr eh jedes dritte Johr auf die DomRep.

Ihr seht, dass das natürlich Quatsch ist, wenn man in so einfachen Mustern denkt. Muster erleichtern uns nur das Denken. Denken sollte aber nicht leicht sein, sonst läuft man Gefahr, dass andere das Denken für einen übernehmen. Und ganz schlimm wirds, wenn die Kronenzeitung das Denken für einen übernimmt.

Aber zurück zur eigentlichen Behauptung: Schotten sind geizig – Golfer auch! Ob alle Schotten geizig sind, wage ich zu bezweifeln; bei den Golfern bin ich mir nicht ganz so sicher. Jedenfalls fällt es auf, dass jeder Golfer dazu neigt, sich etwas sparen zu wollen. Darum gibt es im Golf-Business jede Menge Sonderaktionen, Rabattgeschäfte und Spezialabkommen.

Nehmen wir ein klassisches Beispiel: eine 18-Loch-Runde Golf kostet in Österreich an einem Wochenende ca. € 75. Diese gebühr nennt sich übrigens Greenfee. Das klingt im ersten Moment nach viel Geld, für einen Sport wo man 4 Stunden lang selbst die Schläger schleppen muss, den einen oder anderen Ball verliert und danach im Clubheim auch noch eine Runde Bier für die eingetretene Niederlage zahlen muss.

In weiser Voraussicht möchte sich der Golfer aber etwas sparen und wie beim Handel sucht er verzweifelt in einschlägigen Magazinen nach Rabattaktionen. Bestens bekannt ist zum Beispiel das System Fairway2Hotel. Hier kauft man sich um € 65 ein Buch und dann können 2 Golfer mit einem Gutscheinsystem spielen – aber nur einer bezahlt!

Wenn ein Golfer sowas in die Hände bekommt, dann wird ihm/r ganz warm ums Herz, denn da spare ich mir ja 50% – wenn nicht sogar die Hälfte! Aber das scheint nicht zu reichen, denn selbiger Golfer hat dann noch eine Karte bei sich im Geldbörsel. Eine Gästekarte die ihm/r € 10 Preisnachlass gewährt. Und dann hat der Heimatclub des Golfers noch eine Kooperation mit dem zu spielenden Golfplatz von -30% und da der Golfer später am Abend startet gibts noch einen Happy-Hour-Tarif.

Im Endeffekt werden aus den € 75 die ein Golfer für die Runde bezahlten sollte, vielleicht nur mehr € 15 – wohlgemerkt für 2 Personen! Das nennte der wahre Golfer dann ein Schnäppchen! Wirklich glücklich wäre er aber erst dann, wenn er etwas für die Runde herausbekommt – quasi Antrittsgeld und eine Ehre, dass er/sie den Platz betritt.

Selbiger Golfer der im „Geiz ist Geil-Modus“ sich am Platz viel Geld ersparen möchte, geht aber nach der Runde in den Pro-Shop und kauft sich den neuesten Driver für € 450 und einen neuen Putter für € 180. Nicht zu vergessen das Dutzend Titlest-Pro-V1-Bälle um € 58. Im Restaurant wird dann eine Flasche Wein für € 47 geköpft und eine Havanna-Zigarre um € 15 angeraucht. Schlappe € 750 – die man nicht wirklich als Schnäppchen bezeichnen kann.

Böse Zungen behaupten, dass Golfer deshalb so „geldsensibel“ sind, weil deren Sport im „geizigen“ Schottland erfunden wurde. Ich sage:

  1. Golfer sind geizig – aber nur temporär!
  2. Golfer sind liebenswert – aber nur wenn man ihnen etwas schenkt!
  3. Golfer sind um ein Vielfaches besser als ihr Ruf!

SCHÖNES SPIEL 🙂

P.S.: Aus gegebenem Anlass: nicht alle Griechen zahlen keine Steuern!

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