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Jedes Jahr im Juni beginnt für mich die eigentliche Golfsaison. Davor bin ich beruflich viel zu sehr eingedeckt, als das ich genug Zeit für mein liebstes Hobby finde. Kombiniert und verstärkt wird dieser persönliche Neustart seit ein paar Jahren durch die einwöchige Golfreise, die ich mit meinem Papa und meinem Göd verbringe. Nach Schottland und Irland geht es dieses Jahr übrigens an die Goldküste von Bulgarien – einem der neuen Super-Golf-Hotspots der Erde.

Aber darüber werde ich euphorisch berichten, wenn ich dort bin – respektive war. Heute ist eher „Jammern“ angesagt, denn wie kann es sein, dass ich dieses Jahr so wenig zum Spielen komme? Man kann jetzt natürlich fragen: was versteht der Waltl unter wenig? Denn immerhin hat er ja doch schon an die 15 Golfrunden am 2015er Buckel! Und das bei dem vielen Regen im abgelaufenen Wonnemonat.

Das Problem ist, dass ich dank meiner neuen Funktion als Präsident zur Zeit mehr Zeit am Golfplatz verbringe, ohne dort Golf zu spielen. Jetzt macht mir die neue Aufgabe aber durchaus Spaß, denn es ist cool, wenn man langsam aber sicher sieht, dass sich Dinge bewegen, Probleme sich lösen, Bausteine sich zusammenfügen und Menschen neu zusammenfinden. Ich weiß zwar auch, dass ich zur Zeit nicht alles richtig mache, aber ich bemühe mich ehrlich, kommunikativ und effektiv zu arbeiten. Letzteres ist übrigens grad das schwierigste.

Gefühlt verbringe ich also viel Zeit am Golfplatz – ebenso gefühlt spiele ich aber nicht Golf und dafür wäre der Golfplatz ja eigentlich da und dafür zahle ich ja auch meine Mitgliedsgebühren. Aber jetzt ist das mit diesen Gefühlen so eine Sache, die sind nämlich subjektiv und noch dazu inhaltlich durch äußere Einflüsse verwaschen. Nehmen wir als Beispiel meinen eigenen Rasen im hügeligen Garten. Ich hab das Gefühl, dass je öfter ich ihn mähe, umso mehr wächst der. Teilweise scheint der Teil des Rasens, den ich gerade geschnitten habe, direkt und unmittelbar hinter meinem Traktor schon wieder vollgas loszuwachsen. Oder nehmen wir als anderes Beispiel den Straßenverkehr. Da hörst im Radio die Durchsage, dass alle Straßen in ganz Österreich aktuell frei von Problemen sind und du selber stehst grad gefühlt seit 10 Minuten an der Ampel einer Baustelle, nachdem du gefühlt eine Stunde hinter einem LKW, einem Traktor und einem Alkoholiker-Auto mit rotem Nummerntaferl hinterhergefahren bist, ohne überholen zu können.

Gerne andere Beispiele gefällig? Dann fragt euch mal selber ob der Benzinpreis gefühlt grad zu hoch ist. Oder ob wir grad zu viele Asylanten in Österreich haben. Oder ob es gefährlich ist, nah an der tschechischen Grenze zu leben. Oder ob man grad zu wenig Freizeit hat. Oder ob man grad zu viel Kilos auf den Hüften hat und man weniger essen sollte. Oder ob ihr zu viele Steuern zahlt. Man könnte diese Liste jetzt noch ein paar DIN-A4 Seiten verlängern, aber wer weiß heute schon noch was eine DIN-A4-Seite ist.

Aus den Medien, aus Erzählungen, durch Erlebnisse aus der eigenen Vergangenheit, reimen wir uns tagtäglich unser gefühltes Weltbild zusammen und oftmals hören wir allein schon aus Bequemlichkeit auf, sich Gedanken zu machen und sich selbst regelmäßig zu hinterfragen, ob das was man sich da so an Gefühlen zusammendichtet, schon noch der Wahrheit entspricht. Die Wahrheit ist nämlich was Objektives, oftmals relativ und sie lässt sich selten von Gefühlen beeinflussen.

Jedenfalls freue ich mich sehr, wenn meine Arbeit jetzt dann nicht nur gefühlt etwas weniger wird, weil der Unterricht im WIFI Sommerpause macht, meine Hotelkunden hoffentlich viele Gäste haben und dadurch beschäftigt sind. Auch erwarte ich mir eine mehrmonatige Welle von Sonnentagen wo die Leute weniger arbeiten wollen. Und dann ist Schluss mit irgendwelchen Gefühlen, denn dann wird gegolft!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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