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Hätte man jemanden in den frühen 80er Jahren oder noch früher gefragt, was denn ein Fortschrittsbalken sei, hätte man womöglich einiges an Achselzucken geerntet. Heutzutage haben wir digital gebildete – teilweise sogar digital versaute User uns daran gewöhnt, dass ein elektronischer Balken und darauf hinweist, dass bereits 25% des Liedes abgespielt sind, nur noch 36 MB heruntergeladen werden müssen oder wir noch ca. 8 Minuten warten müssten, bis das Backup, der Virusscan oder der ReStart des Smartphones abgeschlossen wäre.
Würde ich all die Fortschrittsbalken die ich in meinem Leben bis jetzt gesehen haben in eine lange Wurscht zusammenhängen, dann würde ich wohl für das nächste halbe Jahr in Urlaub fahren, denn die Lust solange vor einem digitalen Endgerät darauf zu warten, hab ich einfach nicht.

Jedenfalls hat sich dieser Gedanke mit dem Fortschrittsbalken aus mir noch unerfindlichen Gründen in mein Hirn gesetzt. Und plötzlich denke ich bei ganz vielen Dingen daran, wie das wohl in einem Fortschrittsbalken aussehen könnte. Nehmen wir als Beispiel mal den Jahreszyklus – wo wären wir da jetzt? Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen von den Bäumen, der Nebel hält sich unsympathisch lange. Bald kommt das böse Wort „Schneefallgrenze“ ins Radio und die Weihnachtsbeleuchtung wird montiert. Der Fortschrittsbalken ist also schon ziemlich am Ende und es fehlt nicht mehr viel bis der Download des Jahres abgeschlossen ist!

Oder nehmen wir mein Leben an sich. Ich bin jetzt 43 Jahre alt! Statistisch gesehen habe ich ziemlich genau meinen Lebensmittelpunkt erreicht, sprich mein persönlicher Fortschrittsbalken liegt bei 50% – vorausgesetzt ich sterbe nicht an Ebola, einem Terroranschlag des Islamischen Staates, beim Bungee-Jumpen ohne Seil oder ganz langweilig bei einem Autounfall. Noch steht auf meinem Fortschrittsbalken: Haben Sie noch etwas Geduld und schalten Sie das Gerät nicht vorzeitig ab. Aber in ein paar Jahren wird dort stehen: der Download ist bald abgeschlossen und das verbleibende freie Feld des Balkens wird kleiner und kleiner und dann wird man als User zunehmend nervös!

Bei meinem Golf habe ich gerade das Gefühl, dass sich das Update, welches sich dieses Jahr „downloaded“, auszahlen dürfte, denn mein Golf ist besser denn je! Im Verlauf der Wochen, die ich heuer gespielt habe, wurden meine Schläge sicherer, die Chips genauer, die Sandschläge konstanter, die Länge der Putts zielsicherer und sogar meine große Schwäche die Abschläge wurden gerader. Ich habe nicht mehr bei jedem Schlag über den richtigen Griff, die Ausholbewegung und den Stand denken müssen – es ist einfach passiert und das Ergebnis war gut!

Doch meine Bedenken gehen jetzt weiter: was ist wenn ich jetzt dann wieder die Schläger für ein paar Monate ins Eck stellen muss? Was ist wenn im Gegensatz zum Vorjahr der Winter heuer doch sowas wie Schnee anliefert? Und was ist, wenn ich nächstes Jahr wieder um ein Jahr älter und weniger gelenkig werde? Was passiert dann in meinem golferischen Fortschrittsbalken? Ist das was ich dort sehe vielleicht gar kein Fortschrittsbalken sondern ein Zeitbalken, eine Batterieanzeige? Nur noch 43% Leistung!

Noch schaffe ich es mich jede Golfsaison durch fleißiges Trainieren auf der Driving Range und durch viele Stunden am Platz golferisch neu aufzuladen und spielerisch weiterzuentwickeln. Aber ich bin Realist genug zu wissen, irgendwann kommt der Zeitpunkt, da wird’s nicht mehr aufwärts gehen und die Batterieanzeige mir melden, dass nimma allzuviel Energie übrig wäre.
Keine Sorge: Noch aber habe ich genug Energy in mir und diese werde ich solange es geht nutzen!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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