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Am vergangenen Wochenende wurde mir die Ehre zu teil, eine Golf-Reise in die Schweiz, genauer gesagt nach Adelboden zu absolvieren. Primäres golferisches Ziel war eine Runde auf dem höchstgelegenen Golfplatz Europas: dem GOLFMOUNTAIN auf der Engstligenalp. Der bekannte Ski-Weltcup-Ort Adelboden liegt auf 1.350 Meter Seehöhe im hintersten Zipfel vom Berner Oberland.  Von dort aus fährt man nochmal mit der Engstligenalper Luftseilbahn nach oben auf ca. 2.000 Meter. Im Winter gibt es hier ein Mini-Skigebiet und 2 schneesichere Langlaufloipen. Im Sommer grasen hier schweizer Kühe, bis sie Anfang September auf einem steilen Weg ins Frutigental hinuntergetrieben werden. Dann steht das Hochplateau eigentlich leer und wartet auf den Wintereinbruch. Betonung liegt auf „eigentlich“, denn dummerweise gibt es dort hinten am Ende des Kanton Bern ein paar Verrückte. Diese dürften sich leid gesehen haben, immer von Adelboden aus den weiten Weg nach Interlaken, an den Thunersee oder nach Gstaad antreten zu müssen, um dem Golfsport frönen zu können.
In Zusammenarbeit mit den Bergbahnen hat man sich entschlossen, in diesem hochalpinen Gelände für die Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober einen 18-Loch-Golfplatz zu errichten.

Natürlich gibt es dort keine Grüns und keine perfekten Abschläge – geschweige denn Fairways! Aber die Kühe haben das Almengrass soweit niedergefressen, dass man die Bälle problemlos schlagen und finden kann. Der Abschlag erfolgt von einer Matte, die Bälle werden auf den Fairways aufgeteet, der Chip erfolgt in eine mit einer Schnur umspannten Fläche und der (vor)letzte Putt passiert dann wieder auf einer Matte. Das klingt im ersten Moment für einen Golfer nicht wirklich spannend und jeden Tag würde ich sowas auch nicht haben wollen. Aber es ist schwerer als erwartet, vor allem auf den hinteren 9 Löchern zwischen den Felsen und die Bergwelt um einen herum ist beeindruckend und lässt einen immer wieder stehen bleiben und schauen!

Clubhaus, Halfwaystation und Coming-Home findet in der Raclettehütte statt. Im Sommer übernachten hier im Stall die Kühe – jetzt im Herbst speisen hier die Golfer und sonstige Gäste. Der Mist wurde netterweise mit einem Hochdruckreiniger aus dem Stall rausgeblasen. Dennoch weiss man sich beim Essen in einem Rinderstall, spätestens dann, wenn man oberhalb des Tisches die Namen der für gewöhnlich anwesenden Kühe lesen kann.

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Ein einmaliges Erlebnis, eine einmalige Reise, die ich niemals missen möchte und ich sage danke! Vor allem auch deshalb, weil mir so tief in den Untiefen der Schweiz etwas bewusst geworden ist: wie fremd mir doch unser unmittelbares Nachbarland eigentlich ist!

Als gelernter Österreicher weiss man über unseren westlichen Nachbarn nur wenig zu berichten. Ein Volk eingeklemmt irgendwo zwischen Toblerone, DJ Bobo, Rütlischwur und Lauberhornabfahrt. Die Schweizer gelten (zumindest in Österreich) als langsam, ehrgeizig, sparsam und vollkommen unverständlich in deren Dialekt. Wir haben gehört, dass sie schlechte Qualität in der gastronomischen Dienstleistung anbieten und der Service gilt als inkompetent und unfreundlich. Wir beneiden sie aber seit jeher über den unglaublichen Verdienst, der die Reisen der Schweizer in unser Land zu Billigurlauben werden lässt. Und wir beneiden Sie für das höchst übersichtliche Steuersystem – so haben wir das schon in den 90er Jahren von den TV-Taferln vom Jörg Haider gelernt.

Mein Aufenthalt in der Schweiz war nur von kurzer Dauer, aber ich kann berichten, dass:

  • nicht alle Schweizer, die ich getroffen habe, reich sind wie der Dagobert Duck!
  • die Schweizer, die ich jetzt getroffen habe, ganz schön schnell reden!
  • die Schweizer, die ich getroffen habe, über deren kompliziertes Steuersystem jammern!
  • die Schweizer, die ich getroffen habe, sehr lustig waren!
  • die Schweizer, die mich in den Restaurants bedient haben, nicht nur sehr freundlich sondern auch noch bestens qualifiziert waren!

Ich bin mir in den Gesprächen zwar vorgekommen, als ob ich gerade in Süd-Kroatien zu Besuch wäre – so wenig habe ich verstanden – aber das was ich verstanden habe, hat mir ein einiges ganz klar gezeigt. Die Schweiz ist Österreich in seiner Topographie sehr ähnlich und dennoch sind es 2 ganz verschiedene Länder. Gerade wenn es um die Schweiz geht, sind wir Österreicher oft voller Klischees und vermutlich auch Vorurteile. Ich für meinen Teil habe mit dieser Reise beschlossen, dass ich die Schweiz ab sofort anders sehen möchte und ich mich mehr mit deren Politik, den Entwicklungen, der Geschichte und den Ereignissen beschäftigen möchte. Es kann doch nicht sein, dass eine verregnete und versemmelte Fussball-Europameisterschaft das einzige ist, was uns auf Dauer verbindet!

Helvetia wird mich bald wieder sehen, als Gast, als Fan, als Freund und höchstwahrscheinlich auch als Golfer auf einem der vielen Golfplätze!

SCHÖNES SPIEL 🙂 und GRÜEZI MITENAND!

P.S.: Teil eins der Völkerverständigung ist das Kennen der 26 eidgenössischen Kantone! Ihr könnt mich jederzeit gerne danach fragen!

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