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Heute muss ich Euch wieder einmal kurz in meine Kindheit entführen! Damals in den 70er-Jahren waren wir Kinder noch irgendwie gefangen zwischen 1.Mondlandung, Fix&Foxi, Kalter Krieg, Keli-Kracherl und KajaGooGoo. Die Touristen kamen vorwiegend aus Deutschland und trugen selten eine Burka, die 40jährigen Menschen von damals sahen aus wie heute die 60jährigen und wenn einer ein Spinner war, dann hat man hinter vorgehaltener Hand – aber dennoch für jeden hörbar – gesagt: des is der Dorftrottel! Heute müsste man sagen: der ist verhaltensauffällig! Kommt aber im Endeffekt aufs selbe raus.

Die zweitwichtigste Freizeitbeschäftigung in meiner männlichen Kindheit war: Bandenkrieg! Die Vorlage dafür schuf der 1962 gedrehte Film KRIEG der KNÖPFE. Nachdem ich nicht selten ohne Knöpfe heimgekommen bin und meine Oma mit dem Kochlöffel noch die Filmkritik nachbesprochen hat, mussten wir umstellen.

Variante 2 war dann „Räuber und Gendarm“! Räuber ist klar, bei Gendarm waren wir uns aber damals schon nicht ganz sicher, ob das Wort „Darm“ nicht einen 1zu1-Bezug zur bezeichneten Berufsgruppe hat. Jedenfalls konnten wir das nicht sehr oft spielen, denn jeder wollte irgendwie zu den Räubern und nicht zur Piesendorfer Polizei gehören. Und wenn es nur Verbrecher gibt und niemanden der die Verbrecher fängt, macht das Ganze halt keinen Spass. So kam ich für mich schon früh zu der Erkenntnis: Anarchie funktioniert nur dann, wenn es jemanden gibt der sich drüber beschwert!

Und so kamen wir schlussendlich zu Variante 3: Cowboys und Indianer! Die Indianer waren zu dieser Zeit noch eher die Schurken und die Cowboys waren die Guten. Dazu hatten die Cowboys eindeutig die cooleren Waffen und die Platzpatronen waren um einiges lauter als die Pfeile der Komanchen! Die Indianer waren aber auch cool, weil die hatten lässige Verstecke, durften lautes Indianergeschrei abgeben und skalpieren.

Im Gegensatz zu Räuber und Gendarm waren bei Cowboys und Indianer damals beide Seiten die coolen und damit war es wurscht, auf welcher Seite du kämpftest. Heutzutage sind die Indianer die cooleren, weil man draufgekommen ist, dass die unterdrückt, in Reservate gesteckt und deren Büffel erschossen wurden. Die Cowboys sind heute eher die Proleten. Die hören Countrymusik, sind ausländerfeindlich, vergessen den Waffenschrank zu Hause abzuschließen und wählten George W. Bush.

Einige Menschen von damals haben sich Ihre Kindheit in die Jetztzeit herübergerettet. Sehr augenscheinlich wird das Ganze wenn man sich heute z.B. in die PULLMAN CITY begibt. In der Pullman City wohnen Menschen als Indianer und Cowboys. Menschen die während der gewöhnlichen Bürozeiten als Versicherungsmensch in einem Büro sitzen, fahren am Abend in die Westernstadt, ziehen sich das Cowboy-Outfit an und gehen in den Saloon auf einen Whiskey. Wieder andere treffen sich auf Ritterfesten wie in Enns, Kaprun oder Kufstein. Hier tummeln sich Schwertkämpfer, Burgfräulein, Druiden, Gaukler und sonstige. Unter der Woche Krankenschwester und am Wochenende mittelalterlicher Hexentanz.

Was diese Menschen allesamt gemeinsam haben, ist vermutlich das Verlangen sich zu verkleiden, anders sein zu können als während der Woche, auszubrechen aus dem Alltag, weg von der Tristesse der eigenen 4 Wände. Menschen aus aller Herren Länder treffen sich mit Gleichgesinnten, ziehen sich schräge Klamotten an und entfliehen so der Normalität.

Und was hat das alles bitte in einem Golf-Blog zu suchen? Überlegen wir gemeinsam: Schräge Typen die sich in der Freizeit schrille Klamotten anziehen, gemeinsam mit anderen schrägen Typen in ebenso schrägen Klamotten mit einer Tasche auf dem Rücken durch die Wiesen stapfen. Dabei völlig ohne Konzept irgendwelche weissen Bälle durch Unterholz jagen, von der guten alten Zeit berichten und in Nostalgie schwelgen!

Was Golfer allesamt gemeinsam haben, ist vermutlich das Verlangen sich zu verkleiden, anders sein zu können als während der Woche, auszubrechen aus dem Alltag, weg von der Tristesse der eigenen 4 Wände. Menschen aus aller Herren Länder treffen sich mit Gleichgesinnten, ziehen sich schräge Klamotten an und entfliehen so der Normalität.

Es gibt so viele Versuche das Phänomen Golf zu erklären. Vielleicht ist Golf ja nix anderes, als ein Stück unserer Kindheit in die Welt der Erwachsenen zu retten. Drum bezeichnen wir Golfer es ja auch als „Spiel“ und nicht als „Sport“!

SCHÖNES SPIEL 🙂

P.S.: Fragt sich nur noch: was war denn die wichtigste Freizeitbeschäftigung in meiner Kindheit? Antwort: Doktorspielen … aber das ist eine andere Geschichte!

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