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Jägern und auch Fischern sagt man nach, dass sie es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen. Und so wird aus einem 8-Ender leicht mal ein 16-Ender bzw. aus einer Makrele ein weisser Hai! Jäger-Latein nennt man sowas in diesen Fachgruppen; wo Übertreibung einfach zum guten Ton mit dazugehört. Es gibt aber noch eine Gruppe von Menschen, die es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt: GOLFER!

Golfer schaffen es – jedes noch so unwichtige Erlebnis auf einem Golfplatz – zu einem spektakulären Mega-Event hochzusterilisieren. Jetzt ist es aber so, dass auf so einer Runde selten etwas Spannendes passiert. Für gewöhnlich schlägt man ab, der Ball fliegt, man latscht dem Ball hinterher, schlägt wieder, sucht den Ball, findet den Ball, schlägt danach, ärgert sich, weil der Ball im Bunker landet, schlägt den Ball aus dem Bunker, rechnet den Bunker wieder gerade, chippt den Ball auf das Grün, zieht die Fahne aus dem Loch, puttet den Ball, dann nochmal, locht ein, zählt die 7 Schläge die man gerade benötigt hat, schreibt sich dennoch eine 5 auf die Scorekarte und wackelt zum nächsten Abschlag.

Zurück im Clubhaus wird aus diesem langweiligen Rumgeschlage, Gelatsche, Gesuche usw. aber ein einzigartiges Erlebnis! Ein wahrer Golfer beschreibt den im Clubhaus anwesenden Golfkollegen dieses Erlebnis nämlich ungefähr so:

War das ein genialer Golftag? Also bei mir, unglaublich! Gleich am 1er-Loch hatte ich einen so perfekten Abschlag, dass ich bis vorne zu der großen Birke runtergeschlagen habe. Das waren sicherlich 230 wenn nicht 250 Meter! Dann habe ich mit einem 9er Eisen, dass ich mir letztes Jahr vom Vater vom Bernd Wieseberger habe extra fitten lassen, einen so genialen Schlag gehabt, dass ich genau die Fahnenstange getroffen haben – und das bei heftigem Seitenwind! Von der Fahne ist er mir aber dann weggesprungen und quer über das ganze Grün drübergelaufen! Mitten in den Bunker! Wahnsinn sowas! Wenn die Fahne nicht gewesen wäre, wäre der Ball vermutlich direkt ins Loch gegangen. Dann habe ich den Bunkerschlag gemacht und den Ball tot nur 2 cm zum Loch gelegt. Ein easy Sandy-Par = 4 Schläge inkl. Schlag aus dem Bunker! Das war Phil Mikelson-Niveau – sag ich Euch!

Alle anderen Golfer im Clubhaus sind ob dieser genialen Geschichte schwer beeindruckt und beneiden dich. Sie wissen ja nicht, dass Du in Wirklichkeit eine katastrophale und langweilige 7 gespielt hast und sie wissen auch nicht, dass du in Wirklichkeit alleine am Golfplatz unterwegs warst und damit keinen Zeugen vorweisen kannst. Wenn man nämlich zu zweit ist, dann passiert meistens gar nix, der Score ist mies und die Abwechslung gering. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber im Durchschnitt ist eine Runde Golf nicht wirklich der Burner und ca. genauso langweilig wie stundenlang am Hochstand auf ein Reh warten oder einen Stock mit einer Schnur, Haken und Wurm in einen See hängen!

Beim Jäger und Fischer kann man sich die lähmende Fadesse ja noch ein wenig auf die Beschaffung von Nahrungsmittel rausreden. Aber bitte warum quälen sich die Golfer über einen Golfplatz und lügen danach wie gedruckt? Ich denke jeder Golfer hofft insgeheim auf dieses eine spektakuläre Erlebnis. Dieses Erlebnis von möglichst weit entfernt, direkt ins Loch zu treffen, ideal vom Abschlag. Dann wärs nämlich ein HOLE-IN-ONE! Das kann dir keiner wegnehmen – ein ganzes Leben lang! Und dann braucht man nimma lügen und übertreiben, denn dann hat man es geschafft!

Problematisch ists nur, wenn man alleine über den Platz wurschtlt und es passiert dieses Hole-in-one! Dann hast nämlich ein Problem! Denn ohne mindestens einen Zeugen gilt das HOLE-IN-ONE definitiv nicht! Denn Golfer sind zwar leichtgläubig, aber beim Hole-in-One endet das Ur-Vertrauen!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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