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Aus gegebenem Anlass möchte ich heute eine sehr persönliche Krankengeschichte erzählen, die mir vor genau einer Woche widerfahren ist. Angefangen hat das ganze damit, dass ich nach mehreren ausgesprochen unsympatischen Regentagen am Sonntag doch noch unbedingt eine Runde Golf spielen wollte, bevor mich die Arbeitswoche wieder daran hindert.

Es war keine grosse Kunst meine Golffreundin Christoph dazu zu motivieren, mich trotz Niederschlag zu begleiten. Und so latschten wir bei strömendem Regen (und der Hoffnung: dahinten reisst eh gleich auf) durch den Golfpark Böhmerwald. Temperatur: 12° und wir waren beide nach nur 9 gespielten Löchern ungefähr so wässrig wie Floßhilde, Wellgunde und Woglinde: ihres Zeichens die Rheintöchter aus Wagners 1.Teil des Ring des Nibelungen. Regen und Wind kommentiert der durchschnittliche Golfer mit den Worten: „schottische Verhältnisse“, lächelt kurz und spielt weiter.

Danach gehts in die heimische Sauna und unter die Dusche und spätestens dann hätte ein tautologischer jugendlicher Jungspund den Regen vergessen. Dummer weise ist der Waltl halt kein Jungspund mehr, sondern seit über 4 Jahren statistisch in seiner zweiten Lebenshälfte angekommen. Am Montag früh spürte ich dann bereits ein leichtes Ziehen in der rechten Schulter. Dieses Ziehen entwickelte sich bis zum Abend zu einem Stechen und nächtens dann zu einer medizinischen Katastrophe, die mir den Schlaf raubte. Jetzt muss ich gleich dazusagen, dass ich kein wehleidiger Mensch (oder sollte ich sagen Mann) bin, sondern ich schaffe es relativ gut, mir Schmerzen wegzudenken oder gleich zu vergessen. Aber in diesem Fall konnte ich nicht umhin, denn ich war wirklich am Ende.

Aber man möchte ja den nächsten Termin einhalten und so setzte ich mich trotz Schlafmangel in mein Auto Richtung Kundentermin. Und ich bin sogar noch 40 km gefahren, bevor mein Körper W.O. gegeben hat und ich einen Kreislaufzusammenbruch bekam. Der nächste Schritt war dann die Notaufnahme im Krankenhaus in Schwarzach, wo zuerst mein Kreislauf analysiert wurde und ich dann an die Orthopädie weitergereicht wurde. Meine Schulter wurde infiltriert und mir Schmerztabletten für später ausgehändigt. Auf die ärztliche Frage, ob ich mir vorstellen könnte, woher ich die lädierte Schulter haben könnte, musste ich von meinem sonntäglichen Regen-Flight erzählen und erhielt vom Arzt ein müdes Lächeln und von seinem Assistenten ein: „cool ich habe auch gerade Platzreife gemacht!“.

Soweit so schlecht: jedenfalls war ich die Tage darauf größtenteils zum Nichtstun gezwungen, weil meine eingeschränkte rechte Schulter mich an so fast allem hinderte, was man halt so macht im Laufe eines Tages und Nächtens. Aber ok, dann wird halt ein andermal Holz gehakt, Rasen mit der Sense gemäht oder die Welt gerettet (was man halt so macht – als Mann). Ich musste 3 Spiele die ich mit Kollegen über Wochen verabredet habe, absagen und in mir keimten jede Menge apokalyptischer Gedanken: Werde ich je wieder Golf spielen können? Werde ich die Kugel jemals wieder weiter als 20 Meter schlagen können? Werde ich jemals wieder das Gefühl erleben, meinen Ball bei einem Par 3 direkt vom Abschlag aufs Grün zu platzieren? Werden mich andere Golfer meiden, verstossen und missachten? Bin ich überhaupt noch lebensberechtigt?

Die Nicht-Golfer unter Euch werden solche Gedanken nicht verstehen. Jeder Golfer der diese Zeilen gelesen hat wird hingegen mit mir leiden, denn Golf ist und bleibt ein wunder…

SCHÖNES SPIEL 🙂

P.S.: Morgen hab ich nach 10 Tagen Pause wieder eine Abschlagszeit! Haltet mir die Daumen!

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