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Als ich noch ein Kind war, haben mich die damals Erwachsenen mit ihren erschütternden Erörterungen über deren eigene – ach so harte – Jugend extrem genervt. Die Berichte wie schwer sie es auf dem 25 km langen Fußmarsch zur Schule doch hatten, Hin- und Rückweg – beide bergauf und natürlich barfuß, in den damals ganzjährigen österreichischen Schneestürmen! Die jüngeren Geschwister hat man damals noch am Rücken zu den einräumigen Schulgebäuden getragen und trotzdem immer ein reinrassiges Einser-Zeugnis inklusive dem „Ausgezeichnet“ in Betragen. Nicht zu vergessen auch der Vollzeitjobs nach der Schule auf dem Feld bei der Heuarbeit. Für nur 2 Schilling am Tag rackerte man bis zum Umfallen, um sich und den Rest der 11köpfigen Familie vor dem sicheren Hungertod bewahren zu können!

Ich habe mir damals geschworen, dass wenn ich selbst einmal erwachsen sein werde, ich den dann vorhandenen Jugendlichen niemals so einen solchen Käse zu erzählen – von wegen wie schwer ich es früher hatte und wie leicht die es heute haben.
Aber …. nun, da ich endgültig das reife Alter von 40 knapp überschritten habe, kann ich es nicht mehr verleugnen!!! Die Jugend von heute hat es so verdammt gut! Ich meine, verglichen mit meiner Jugend, lebt man heute im Traumland Utopia!
Wir Kinder hatten früher zum Beispiel überhaupt kein Internet. Wenn wir was wissen wollten, mussten wir in die Dorf-Bibliothek in Piesendorf gehen und es uns verdammt noch mal selbst raussuchen! Die alte Frau Winding (die war übrigens damals schon alt) hat dich mit wachsamen Auge beobachtet, damit du ja „ihre“ Bücher nicht versaust.
Es gab keine eMail oder Chat. Wir mussten tatsächlich Briefe schreiben, mit einem Kuli auf Papier! Dann mussten wir den ganzen Weg über die Straße zum Briefkasten gehen und es dauerte manchmal eine ganze verdammte Woche, bis das Teil ankam! Von Briefen ins Ausland ganz zu schweigen … von spontaner WhatsApp-Romantik keine Spur!

Das war nicht alles – wir hatten keine MP3-Player oder gar eMule! Wenn man Musik klauen wollte, musste man zum Plattenladen gehen und sich die Platten selbst stehlen! Alternativ konnte man auch den ganzen Tag am Radio warten, um das gewünschte Lied auf dem Kassettinger aufzunehmen. War auch nicht immer leicht, denn meistens hat der Udo Huber ins Ende reingelabert und die ganze Aufnahme versemmelt!

Wollt ihr wirklich wissen, was hartes Leben ist? Man konnte sich nicht einfach irgendwo Sex downloaden! Du musstest einem Sandler am Zeller Bahnhof mit einer Flasche Veltliner bestechen, damit er dir aus der Trafik ein „Schlüsselloch-Magazin“ gekauft hat! Entweder so, oder Du musstest dich mit den Damenunterwäsche-Seiten aus dem Kastner & Öhler – Katalog begnügen! Das waren deine einzigen Möglichkeiten!!!

Wir hatten nicht diesen ganzen technischen Kram wie Anklopfen beim Telephon. Wenn du telephoniert hattest und jemand wollte dich anrufen, war besetzt! Stellt euch das mal vor! Besetzt! Und wir hatten nicht diese Display-Teile auf dem Telephon. Wenn’s klingelte, hattest Du nicht den blassesten Schimmer, wer dran war. Es konnte ein Lehrer aus der Schule, die Angebete, deine Mutter oder dein Cannabis-Dealer sein, du hattest keine Ahnung, musstest abnehmen und das Risiko eingehen.

Smartphones hatten wir schon gleich gar nicht! Um was mit Freunden zu besprechen, mussten wir zu denen hinlatschen, vor allem damit unsere Eltern uns nicht hören konnten. Wenn die Straßenlichter angingen, hatten wir zuhause zu sein, sonst ist der Watschnbaum umgefallen!
Gar nicht zu reden von den modernen Spielekonsolen mit hochauflösender 3D Grafik und 24895 Tetrapixel Digital Dolby HDD Mehrkanal Sound oder was weiss ich! Wir hatten mit Glück einen C64 mit Spielen wie Frogger, Space Invaders und Asteroids und die Graphiken waren schlicht Scheiße! Ein Spiel über Datasette in die 64K reinzuladen hat oft schon über eine halbe Stunde gedauert und dann warst du meistens ein kleines Quadrat das einem anderen Quadrat hinterherjagt und musstest deine Phantasie benutzen! Von wegen verschiedene Levels!!! Immer und immer das gleiche Bild. Man hat niemals nicht gewonnen, weil es immer nur schwieriger und schneller wurde bis Du starbst! Genau, wie im richtigen Leben! Und kein Cheatcode weit und breit …

Im Kino gab’s keine ansteigenden Sitzreihen. Alle Reihen waren auf einer Ebene und wenn vor Dir ein Großer saß, hast Du nix mehr gesehen! Die Sessel waren aus blankem Holz – nix gepolstert! Die Filme die wir schauen mussten – grottenschlecht! Flash Gordon zum Bleistift – in seiner neonpinken langen Skiunterwäsche … schrecklich.

Natürlich hatten wir damals aber auch schon Farbfernsehen. Aber da waren ganze 2 Sender: FS1 und FS2. Kein Kabel , keine Schüssel, kein HDTV und sicher kein Teletext. Du hast in die HÖRZU schauen müssen, wenn Du wissen wolltest, was es gibt. Ansonsten hat mein Papa bestimmt was läuft! Fernbedienung hatten wir auch keine! Das war ich! Der Papa hat gesagt: „1“, dann bin ich nach vorne und hab umgeschalten … lief da ein rechter Gwak, hat der Papa gesagt: „2“ und ich bin wieder nach vorne. Ich darf gar nicht dran denken was los wäre, wenn wir wie jetzt über 40 Sender gehabt hätten? Ich wäre nicht mehr zum Sitzen gekommen!

Es liefen auch nicht den ganzen Tag irgendwo Cartoons! Vielleicht mal 5 Minuten als Betthupferl „Die Maus vom Mars“, die „Barbapapas“ oder „Bumsti-Bär“. Allein der Name sagt alles! Aber auch wenn man schon ein bissi älter war – da konnte man nicht einfach die ganze Nacht hindurch irgendwelche Musiksender im Hintergrund laufen lassen, während man daneben mit einem Mädel Ditscharidu gemacht hat. Nix da – ab spätestens Mitternacht kam die Bundeshymne und danach das Test-Bild, spätestens da war dann Schluss mit Ditscharidu.
Aber wie konnten wir überhaupt so alt werden? Ohne Radlhelm, Kindersitze, Sicherheitstüren oder Babyphon! Ich bin ein Überlebender und sage: „Die Jugend von heute hätte vor 35 Jahren keine 5 Minuten überlebt! Ohne Widerrede!“

Und am Golfplatz? Schaut sie euch doch an diese degenerierten Golfer der Neuzeit: mit ihren regenabweisenden Hosen, mit den ergonomischen Schuhen wo man die Spikes jederzeit an das Gelände anpassen kann, mit den Schlägern die jeden Ball kerzengerade nach vorne schlagen und mit den Garmin-Uhren die einem Entfernung, Neigung und Windstärke rausmessen können! Was ist das heutzutage nur für ein degeneriertes Golf? Wo jeder von uns eine Par-Runde nach der anderen spielt!

Als ich jung war, da war Golf noch ehrlich und authentisch! Als ich damals auf der heimatlichen Alm meine ersten Bälle geschlagen habe … aber natürlich nur im Juli! Denn der Rest des Jahres war tiefer Winter bei mir daheim im Pinzgau!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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