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Ich bin ein Kind der Internet-Generation – wenn auch schon ein sehr altes Kind! Gerne bezeichne ich mich selbst als einen der ersten Digital Natives was natürlich Quatsch ist, denn in meiner Kindheit gab es keine Handys, kein Apple-TV und auch kein Facebook. Wenn ein Anruf kam, wusste man vor dem Abheben nicht wer anrief, im Fernsehen gabs 2 Sender (FS1 & FS2) und die zeigten nicht wirklich das was ich sehen wollte und wollte man einem ausgewanderten Freund in Hamburg die neuesten News aus der Heimat mitteilen, dann hat man einen Brief geschrieben, der dann gefühlte 2 Wochen unterwegs war!

In Zeiten wie diesen, verteilt sich Information in Windeseile von einem Ende der Welt zum anderen. Twitter, Whatsup und Facebook sind quasi „Hochgeschwindigkeitspostler“ und wir sind durch die neuen Medien immer up2date – wie es in Neusprech so schön heisst.

Das ist aber ein Irrglaube! Denn nach wie vor werden die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nicht im Internet verbreitet! Da gibt es einmal die Stammtische: dort treffen sich vor allem die Männer, die dort über Politik, Fussball und das was die Kronenzeitung gestern so Umwerfendes geschrieben hat diskutieren. Frauen sind da ein wenig diffiziler: die treffen sich im Cafehaus, im Freibadbad, im Wellnesshotel, am Kirchenvorplatz, beim Friseur bzw. bei diversen Amway- oder Dildo-Parties. Was dort besprochen wird, weiss ich leider nicht – ich gehe aber davon aus es geht dort hauptsächlich um Politik, Fussball und das was die Kronenzeitung gestern Umwerfendes geschrieben hat.

Aber all die Infos die in den Cafehäusern und Stammtischen transportiert werden sind völlig lächerlich gegenüber dem, was am Golfplatz besprochen wird. Genauer gesagt nicht am Golfplatz – sondern danach im Golfrestaurant! Der Golfplatz ist der Intrigenstadl schlechthin, hier passiert die gesellschaftliche Nabelschau der Nomenklatura, die Tratsch- und Klatschbörse der Neuzeit.

Hier werden die entscheidenden Fragen gestellt:

  • Wer hat was mit wem und vor allem wie oft?
  • Wem steht eine Steuerprüfung ins Haus?
  • Warum hat Kurt gestern so gesoffen?
  • Findest Du es nicht auch komisch, dass der Alois so oft nach Tschechien fährt?
  • Warum sind die Monika und der Hans gestern beide gleichzeitig weggefahren?
  • Wie kann ausgerechnet der/die sich das alles leisten?

und die Fragen aller Fragen:

  •  Hast Du das auch schon gehört, dass …?

Wenn ich ein regionaler Journalist wäre, dann würde ich mich auf jeden Fall direkt in einem Golfclub einnisten! Denn hier spielt das wahre Leben! Das „warum?“ ist leicht erklärt; denn wer ausser Bankdirektoren, Immobilienmakler, Ärzte, Lehrer oder Anwälte kann sich diesen Sport schon leisten? Und wer weiss mehr über die aktuelle Situation im Ort und über jeden Einzelnen als der hiesige Steuerberater oder der Zahnarzt? Hinter vorgehaltener Hand und im Nimbus der absoluten Verschwiegenheit werden am Golfplatz bewusst und unbewusst Informationen gestreut, die sich mit einer Geschwindigkeit verbreiten, dass die Erfinder von Twitter – ob der Aussichtslosigkeit hier nur annähernd ranzukommen – neidlos kapitulieren!

Ich bin kein intensiv-neugieriger Mensch und ich bin nicht wirklich anfällig für den allgemeinen Tratsch & Klatsch. Aber auch ich habe natürlich die eine oder andere spannende Geschichte auf Lager. Wenn ich diese dann unters Volk bringen möchte, dann kann ich die Geschichten ganz dezent am Golfplatz fallen lassen und genüsslich beobachten wie das Lauffeuer sich verbreitet. Wobei es ganz wichtig ist die zu verbreitende Information mit dem Zusatz „das darfst Du aber niemanden erzählen!“ weiterzugeben.

SCHÖNES SPIEL 🙂

P.S.: Die oben erwähnten Namen sind natürlich frei erfunden! Wer die richtigen Namen wissen will, muss mit mir eine Runde spielen!

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