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Heute – kurz vor dem Golfsaisonschluss – möchte ich Euch ein wenig in die verschiedenen Spielformen des Golf einführen. Jetzt werden sich natürlich einige Nicht-Golfer unter euch fragen: Spielformen? Wie soll es bei einem Sport bei dem man einen Ball über mehrere 100 Meter in 18 Löcher schlägt und dabei mitzählt wie viele Schläge man dafür braucht, verschiedene Spielformen geben?

Grundsätzlich wäre das ja auch ausreichend und andere Sportarten wie Fussball oder Squash (gibts das überhaupt noch?) sind ja auch ganz einfach gestrickt. Zwei Tore, 22 Spieler, ein Ball, ein Shiri, zwei Outwachler, 90 Minuten – fertig! Beim Squash ist eigentlich auch nicht kompliziert: ein Glaskasten, eine Wand, ein paar Linien, eine weiche Kugel – die wenn einen trifft sehr hart sein kann und einen scharzblauen Fleck am Rücken oder sonstwo hinterlässt – zwei Schläger, zwei Spieler, man zählt bis 15 und gibt „Voigas“.

Das kann man auf so fast jede Sportart auf diesem Planeten anwenden, sogar wenn sie von Engländern erfunden wurde. Einzige wirkliche Ausnahme ist Golf! Denn hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt:

Grundsätzlich kann man Golf natürlich auch alleine spielen und einfach die Schläge mitzählen, die man für die 18 Löcher benötigt. Das ist aber erstens fad und zweitens von anderen Golfern nicht sehr gerne gesehen! Denn Golf ist ein Spiel gegeneinander! Also könnte man doch einfach die eigenen Schläge und die vom Mitspieler zählen, miteinander vergleichen, sich ins Fäustchen lachen, wenn der andere noch schlechter ist als man selbst und gut isses?

Jetzt kommt aber das Problem, dass das auf die Dauer fad ist, wenn einer sich immer ins Fäustchen lacht und der andere immer verliert. Weil dann spielt ja der andere nicht mehr mit mir, wenn er dauernd einen Spritzweiss am Ende der Runde zahlen muss. Also hat man sich die unterschiedlichsten Varianten, Zählformen und Spielformen einfallen lassen, um es so hinzubekommen, dass jeder irgendwie doch gewinnen kann!

Da werden dann die diversesten Team- und Sonderwertungen erfunden, Fahnen fürs Flaggenwettspiel mitgeschleppt, Bindfäden geschnitten, gerechnet, nachgerechnet, aufgewertet, umgeschichtet, panaschiert und kumuliert. Die Spiele haben dann ganz ungewöhnliche Namen wie Nassau, BingoBangoBongo, Prager oder Skin.

Ich schreibe euch jetzt zwei Beispiele, um das Ganze ein wenig zu verdeutlichen:

  • Jetzt am kommenden Samstag dem 12.10. organisiere ich mit dem Markus Teubner vom GC Pfarrkirchen schon zum zweiten mal das 11-Schläger-Räuber-Turnier. Das kann man, wenn man zufällig letztes Jahr nicht mitgespielt hat, eigentlich gar nicht kennen, denn das habe ich erfunden. Funktionieren tut das ganze so, dass man zu zweit gegeneinander spielt und jeder der beiden Spieler auf die 9-Loch-Runde nur 11 Schläger mitnehmen darf. Nach jedem Loch darf man sich gegenseitig einen der Schläger des Gegners aus dessen Golftasche (die heisst übrigens „Bag“) stehlen. Mit jedem Loch hat man also weniger Schläger zur Verfügung und damit wird das Spiel von Loch zu Loch immer schwieriger. Auf der letzten Bahn hat man dann nur mehr 3 Schläger übrig. Wer da spontan mitmachen will – hier wäre die offizielle Ausschreibung 🙂
  • Als nächstes ein nicht von mir erfundenes Spiel wäre der China Scramble oder Bloodsome erwähnenswert. Bevor ich das erklären kann, muss man zuerst wissen was ein Texas Scramble ist. Beim Texas Scramble spielt man zu zweit oder zu viert. Wenn vier Spieler spielen, dann schlagen alle vier hintereinander ab. Dann entscheidet man gemeinsam, welcher Ball am besten liegt. Die drei anderen Bälle werden aufgehoben und innerhalb von einer Schlägerlänge rund um den gewählten Ball fallengelassen (das heisst beim Golf „droppen“)Alle Spieler schlagen nun ihren Ball aus dieser Position, danach wählen sie wieder den Ball in der besten Lage aus usw. Dadurch entstehen natürlich sehr gute Ergebnisse, denn die guten Bälle wird man weiterspielen und die schlechten aufheben. Bei 2 Spielern läuft das ähnlich, da schlagen statt vier halt nur zwei ab und entscheiden gemeinsam, welcher Ball weitergespielt wird. Beim Spiel zu zweit kann man auch direkt gegen ein anderes Team spielen. Diese Art des Scramble, Best-Ball oder Greensome wird sogar relativ häufig gespielt, weil man immer gute Ergebnisse ins Clubhaus vermelden kann.
    Nicht so der China Scramble oder Bloodsome. Denn hier läuft das ganze auf die hinterlistige Tour. Denn beim Bloodsome entscheidet das gegnerische Team welcher Ball weitergespielt werden muss; die Gegner werden sich logischer weise hüten den Ball auszuwählen, den mein Teampartner schön mittig auf das Grün geschlagen hat, sondern die wählen dann meinen Ball, der hinten über das Grün drübergelaufen ist und schön sichtbar aber zwischen zwei Sträuchern zum Stillstand kam. Das Schlimmste daran ist jetzt nicht nur, dass man sich selber über den eigenen bescheidenen Schlag grün und blau ärgert, sondern dass der eigene Mitspieler auch noch auf einen sauer ist, wenn man nicht ordentlich spielt! Gerade bei echten, unechten und eingetragenen (Ehe)Partnerschaften ist diese Spiel kurz vor der Scheidung sehr beliebt und diverse Rechtsanwaltskanzleien richten gerne solche Turniere aus!

Das nur zwei markante Beispiele die zeigen, dass beim Golf die Spielpalette von „ich rechne so lange bis alle Mitspieler irgendwie/irgendwas gewinnen“ bis hin zu „Hinterlist und Schadenfreude“ reicht. Ich kann mir nicht helfen, Golf gefällt mir dadurch soviel mehr als irgendwo 50 oder mehr Kilometer stur auf einer Asphaltstrasse Strassenrad zu fahren. Die Ausdauer dieser Sportler ist zugegeben um einiges höher als die meine, aber ich habe definitiv viel mehr Spass beim Golf!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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