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Bevor ich die heutige Geschichte erzähle, muss ich ein wenig ausholen. Also ich bin der Sohn von einer Pinzgauerin und einem Tiroler – quasi eine inneralpinen Mischung – ein „alpine Blend“ wie die Whisky-Freunde sagen würden. Dann kommt noch erschwerend hinzu, dass ich im Oberpinzgau – genauer gesagt in Piesendorf – aufgewachsen bin. Wer das nicht kennt: Piesendorf gehört zum Städtedreieck Boston – Hamburg – Piesendorf!

Mit diesem genetisch-historischen Background tut man sich von Haus aus mit einem Wort recht schwer: dem „Sie“. Es geht vielleicht 5 Minuten gut, dann bin ich beim „Du“. Das war schon in der Schule so: „Du, Frau Lehrerin“, beim Bundesheer „Du, Herr Vizeleutnant“ und das ist so bei der Arbeit: „Du, Herr Mateschitz“ – obwohl zu dem darf man glaube ich eh „Didi“ sagen!

Beim Golf gilt automatisch das „Du“ – da muss man sich seiner alpinen Abstammung nicht schämen. Da wird der Herr Kommerzialrat, die Frau Hofrat und der Herr Bundeskanzler niedergedutzt – ohne Rücksicht auf Rang und Namen. Das ist halt so am Golfplatz und das macht aus diesen Golfern irgendwie eine eingeschworene Truppe oder Glaubensgemeinschaft. Es gibt aber hier einen wichtigen länderspezifischen Unterschied. In Österreich gilt die Regel: einmal miteinander gegolft und das „Du“ bleibt für die Ewigkeit! Auch in der Schweiz gilt diese Regel und ich vermute auch in allen anderen Ländern der Erde ist dem so. Ausser bei unseren nördlichen bundesrepublikanischen Nachbarn ist das ein wenig anders. Denn da gibt es ein „Tages-Du“! Sprich man trifft sich am Golfplatz, wechselt in das „Du“, sauft danach noch gemeinsam ein Fanta im Clubrestaurant und anschließend gilt wieder das „Sie“! Es handelt sich dabei also um eine temporäre Freundschaft, die spätestens am Parkplatz des Golfplatzes endet!

Jetzt sollte man aber wissen, dass am Golfplatz sämtliche Hüllen fallen. Nicht das ihr gleich falsche Hoffnungen bekommt – ich spreche nicht von der Kleidung – sondern vom Auftreten an sich. Da stehen mit einem ehrwürdige alte Männer zusammen am Grün die nach einem verschobenen Putt Wörter gebrauchen, die ich auf Grund meiner Erziehung, nicht mal kenne geschweige denn verwende! Da fliegen Schläger ins Wasser, weil sie nicht so schlagen wie geplant, da werden Mitspieler denunziert, die eigene Frau vor dem versammeltem Flight ausgelacht und vieles mehr. Da bekommt man eine Innenschau auf die Seele der Menschheit, die den guten alten Sigi Freud in der Berggasse 19 hätte vor Scham erblassen lassen! Das „Du“ ist hier noch das kleinste aller Vertrautheiten.

Am Golfplatz lernt man einen Menschen so kennen wie er wirklich ist! Vom arroganten Vollkoffer bis zum sympathischen Zeitgenossen. Wenn einer über einen verschobenen 10 cm Putt lachen kann, wenn einer nach einem Schlag in den tiefsten Wald noch sagen kann: „Vielleicht finde ich beim Ballsuchen noch ein paar Schwammerl“, dann kann man davon ausgehen, dass der auch im echten Leben ein sympathischer Kerl ist! Und zu denen die nicht so sind, sollte man spätestens am 3er-Loch vom „Du“ ins „Sie“ wechseln. Frei nach dem Motto: „Sie Trottel haben den Ball schon wieder ins Wasser geschlagen!“

SCHÖNES SPIEL 🙂

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