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Böse Zungen behaupten, dass Golf gar kein richtiger Sport ist – und böse Zungen könnten durchaus recht haben, wenn man so manches Bewegungstalent zwischen Abschlag 1 und Loch 18 beobachtet. Aber der werter Herr Tiger würde sich schon beschweren, wenn man ihn nicht als „Sportsman“ bezeichnen würde. Dennoch – denke ich – können wir uns drauf einigen, dass der körperliche Effekt beim Golf um ein paar Prozentpunkte geringer ist, als zum Beispiel bei einem 5 km Open Water Schwimmen. Demnach bezeichnen wir Golfer uns auch eher als Spieler denn als Sportler.

Jetzt ist das mit dem Sport aber dann doch so eine Sache, denn es gibt natürlich auch Sportarten die fürs Gehirn gedacht sind: Schach zum Bleistift! Hier sitzt man und denkt in die Zukunft und daran wie das unglückliche Pferd dort hinten im Eck auf dem schnellsten Wege vom bedrohlichen Turm wegkommt. Golf ist für mich ein wenig wie Schach! Beim Golf hat man es zwar nicht mit Königinnen, Pferden und Läufern zu tun, aber der Blick in die Zukunft ist auch beim Golf die wichtigste Eigenschaft – oder besser gesagt: die schlechteste Eigenschaft!

Ein Beispiel: Am Pfingstmontag hatte ich eine Einladung zu einem sehr netten Turnier im bayrischen Dorn – dort liegt der wunderschöne kleine Platz des GC Bayerwald. In meinem Flight waren Sepp, Heiner und der Fonsi. Soweit ich mich erinnern kann lag das Handicap vom Fonsi so um die 10 – sprich der kann schon richtig Golf spielen. Auf Bahn 3 – dem schwierigsten Loch am Platz – gibt es ca. 50 Meter vor dem Grün rechts ein paar Bäume. Nix besonderes und diese Bäume sind auch weit genug auf der Seite, als dass man die nicht wirklich beachten muss. Nochmal ca. 50 Meter davor lag der Ball vom Fonsi und wartete auf selbigen. Auf dem Weg zu seinem Ball ging Fonsi neben mir und klagte über das blöde 3er-Loch und das er das immer so schlecht spielen würde. Ich schüttelte innerlich den Kopf, denn er lag absolut im SOLL und konnte die Bahn locker mit Par oder Bogey beenden. Aber das Jammern liess nicht nach. Und dann schlug er seinen Ball in den Wald und den „Professor“ gleich hinten nach und dann fand er zwar den ersten Ball wieder, aber den schlug er in den Wassergraben und musste mit einem Strafschlag weiterspielen. Fakt: der Fonsi durfte dieses Loch „streichen“ und seine nachträgliche Behauptung: „Dieses Loch ist für mich schrecklich!“ Er ist bereits mit der Einstellung auf das Loch gegangen, dass ihm dort etwas passieren wird – und so war es dann auch!

Auch ich hatte bei diesem Turnier so ein Erlebnis. Ich habe an diesem Tag ein – für meine Verhältnisse – wirklich geiles Golf gespielt. Soviele Pars hatte ich noch nie und so vier Löcher vor dem Ende, habe ich dann doch damit begonnen mit dem Tages-Sieg zu liebäugeln. Ich habe meine Scorekarte gezogen und begonnen meine Netto-Punkte nachzurechnen. Meine Weissagung: Wenn ich so weiterspielen würde, dann werde ich so an die 39 vielleicht 40 Punkte erreichen und damit würde ich mein Handicap vielleicht sogar auf knapp über 20 – vielleicht sogar darunter drücken. Dann stand ich gutgelaunt an diesem leichten Par 3, wo ich in der ersten Runde noch so ein nettes Bogey gespielt hatte und dann schlug ich meinen Ball in den Misthaufen vom benachbarten Bauernhof – und es war vorbei mit meinem Golf. Die letzten Löcher waren eine Qual – die Abschläge bogen in die verschiedensten Richtungen ab und ich verzweifelte mit jedem Schlag mehr. Am Ende kamen noch 36 Punkte raus, keine Handicap-Verbesserung und auch kein Tagessieg. Zumindest habe ich noch den 3.Platz gerettet und habe danach noch ein bis zwei Fanta getrunken und mich sehr nett unterhalten. Aber im Kopf war ich immer noch auf diesem verdammten Par 3!

Fazit: Nicht auf die Scorekarte und nicht in die Zukunft schauen! Denn das Gehirn sollte man beim Golf möglichst durchgehend auf Standgas murgeln lassen; und damit unterscheidet sich Golf von Schach!

SCHÖNES SPIEL 🙂

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