Schlagwörter

, , , , ,

Eine der am öftesten gestellten Fragen auf einem Golfplatz zwischen zwei Spielern lautet: „Wie weit ist es glaubst Du noch bis zur Fahne?“ Wie alle Golfer und die inzwischen durchaus stattliche Zahl der (nichtgolfenden) Leser dieses Blogs wissen, ist es das grundlegende Ziel beim Golf, mit möglichst wenigen Schlägen vom Abschlag bis ins Loch zu kommen. Dabei verwendet man Schläger die unhandlich zu tragen sind, spielt Bälle die sauteuer sind – man aber leicht verlieren kann und die Löcher in die man die sauteuren Bälle spielen soll, sind viel zu klein. Ein Grund warum Golf eine sauteure Angelegenheit ist.

Die Neigung des Schlägerkopfes entscheidet über die Länge des Schlages, denn die Schwungstärke sollte (fast) immer gleich bleiben. Alle Details dazu kann man HIER nachlesen. Wichtig ist für unser heutiges Thema: jeder Golfer sollte wissen, wie weit er mit seinem 9er-Eisen schlägt: bei mir sind das ca. 100 Meter. Mit dem 8er schlage ich 110 Meter, mit dem 7er 120 usw.

Wenn ich also 100 Meter vom Loch entfernt stehe, dann greife ich zum 9er Eisen, ziehe den Schlag voll durch und spiele dann auf das Grün, in der Hoffnung, dass ich

  1. den Ball überhaupt treffe
  2. den Ball nicht etwas schief treffe
  3. einen sauberen Aufschwung gemacht habe
  4. die Beine in der richtigen Distanz vom Ball hatte
  5. den Daumen richtig gehalten habe
  6. die Hüfte nicht zu früh eingesetzt habe
  7. den Kopf unten gelassen habe
  8. und noch ca. 387 verschiedene Dinge die mein Trainer an mir auszusetzen hat!

Aber manchmal gelingt es mir und dann fliegt der Ball genau diese 100 Meter und dann liegt er am Green nur 20 cm vom Loch entfernt und dort wartet er auf mich, bis ich grinsend zu ihm komme und nur mehr ins Loch reinkullern muss. Das der Wunschtraum, denn meistens passiert es dann, dass man diesen kurzen Putt dann verschiebt, weil man sich nicht konzentriert; spätestens dann hat es sich ausgegrinst 😦

Aber zurück zu unserer Entfernung zum Loch. Und der Frage an den Mitspieler: wie weit es denn noch wäre. Bei den meisten Golfplätzen gibt es irgendwelche Markierungen die einem die Abstände 200 Meter, 150 Meter und 100 Meter anzeigen. Das können Stangen sein, die man am Rand hingestellt hat oder auch Bodenmarkierungen oder Distanztafeln. Dann stellt man sich auf die Distanz ein, nimmt den richtigen Schläger und schlägt dann zwar die richtige Länge aber ca. 30 Meter zu weit rechts! Oder man hat die richtige Richtung ist aber um 30 Meter zu kurz. Da sagt dann der Mitspieler: super Länge war nur die falsche Richtung oder er sagt super Richtung nur halt zu kurz. Er sagt das weil er einen aufmuntern will und drauf hofft, dass wenn beim nächsten Schlag ihm das passiert er selbiges aus meinem Munde hört.

Mit diesen klassischen Entfernungs-Markierungen komme ich locker aus – vor allem weil ich meine Schlägerlänge noch nicht richtig unter Kontrolle habe. Und ob 100 oder 105 oder 95 Meter entscheidet bei meiner Spielstärke nicht wirklich über Sieg oder Niederlage, sondern eher über Freude und Enttäuschung. Jetzt gibt es aber Spielkollegen die inzwischen mit diesen modernen digitalen Entfernungsmessungs-Uhren ausgestattet sind. Damit kannst Du via GPS, NSA und FCKW auf jedem Golfplatz der Erde im Nanomillimeter-Bereich die Distanz vom eigenen Standpunkt bis ins Zentrum des Loches herausmessen. Und da steh ich nun und erfahre, dass ich gerade 114,7894392 Meter von der Fahne entfernt bin. Im nächsten Moment überträgt die Uhr die Daten an mein iPhone. Auf dem iPhone wird dann eine Applikation aktiviert, die mir mittels Siri rät, welchen Schläger ich verwenden soll. Sobald ich den falschen Schläger aus dem Bag ziehen würde, meldet das Bag an die Uhr mein Fehlverhalten und über meine Bluetooth-Google-Brille erfahre ich davon. Ich korrigiere den Schläger – wie meine Entfernungsmessungs-Uhr es mir geraten hat – stelle mich zum Schlag, hole aus, ziehe voll durch und schieße den Ball mit einer Präzision wie ein Lipizzanerpferd punktgenau einen halben Meter vor mir in ein altes Mausloch (lat. cavum). Und ich denke mir insgeheim: so einen bescheidenen Schlag hätte ich ohne Entfernungsmesser und den ganzen technischen Schnickschnack vermutlich auch hinbekommen!

SCHÖNES SPIEL 🙂

Advertisements